La Condition humaine

Was ist der Mensch? Gute Frage. Das Festival d’Aix-en-Provence sucht nach Antworten – mit dem Mahler-Projekt «Résurrection», der Uraufführung von Dusapins «Il Viaggio, Dante», Strauss’ «Salome», Rossinis «Moïse et Pharaon», Monteverdis «L’incoronazione di Poppea» und Mozarts «Idomeneo»

Opernwelt - Logo

Der Ort ist überwältigend, die reine Natur: unberührt-malerische Landschaft. Das Gebäude hingegen wirkt wie ein Fremdkörper in diesem Idyll, geradezu abstoßend hässlich. Ein schwarzer, mit Bauxit überzogener Betonklotz, Sprayer haben ihre Graffiti-Spuren darauf hinterlassen, und wenn man sich ihm mit tastenden Schritten über die Hügel von Bouches-du-Rhône nähert, könnte man fast glauben, irgendein Außerirdischer sei eines Nachts auf die Idee verfallen, dieses Ungetüm aus dem Universum herab auf die Erde zu schleudern.

 

Die Wahrheit ist eine andere, aber nicht minder absurde. Ursprünglich war das 1994 eröffnete «Stadium de Vitrolles» eine Autoviertelstunde außerhalb von Aix-en-Provence die Heimspielstätte des dort ansässigen Handballklubs. Der aber fand nach zwei Jahren ein anderes Domizil, so dass die Halle leer stand. 1998 verfiel der Politiker Bruno Mégret vom rechtsextremen «Front National» auf die Idee, in diesem Stadion, das Platz für 5000 Menschen bot, ein Rockkonzert zu veranstalten – mit Musik identitärer Gruppen. Es kam zum Eklat, sogar Bomben detonierten, das Stadium de Vitrolles wurde auf unabsehbare Zeit geschlossen. 

Und nun das. Mahlers Zweite in c-Moll, seine ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt 8 2022
Rubrik: Im Focus, Seite 5
von Jürgen Otten

Weitere Beiträge
«Die Dinge finden mich»

Herr Goebbels, wie geht es Ihnen bei der Begegnung mit der eigenen Stimme?
Bei all den Stimmen, mit denen ich arbeite, habe ich meine Stimme nie eingesetzt. 

Und wenn Sie sie zufällig in Radiointerviews hören?
Ist sie mir fremd. Sie bleibt mir fremd. Wir wissen, warum das so ist, weil die Resonanz des eigenen Körpers fehlt und so weiter. 

Stimmen aber faszinieren...

Und es strahlen die Sterne

Die Corona-Pandemie hat die Auftrittsund Karrierechancen junger Opernsängerinnen und -sänger weit stärker noch beeinträchtigt als die von berufserfahrenen Kolleginnen und Kollegen. Es war deswegen kaum verwunderlich, dass Liz Mohn, Präsidentin der nach ihr benannten Sektion der Bertelsmann Stiftung, in ihrer Rede die Bedeutung der ursprünglich bereits für 2021...

Schmerzenskind

Dieser Märzabend des Jahres 1864 stand wahrlich unter keinem günstigen Stern: Die Uraufführung von Charles Gounods Oper «Mireille» im Pariser Théâtre-Lyrique fiel durch. Angekreidet wurde dem Komponisten und seinem Textdichter Michel Carré insbesondere, dass das (auf Frédéric Mistrals provenzalisches Poem «Mirèio» zurückgehende) Sujet fürchterlich abgeschmackt sei;...