Kunst der Vereinfachung

Bei ihm sollte klassische Musik nicht kompliziert sein, sondern vor allem lebendig. Zum Tod des Dirigenten Sir Roger Norrington

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Er hatte etwas von einem Clown. Und wenn ihm dieser Eindruck nicht recht gewesen wäre, hätte er bestimmt etwas dagegen unternommen. Wie er in seinen späten Jahren auf die Bühne kam, ein fußballrundes Bäuchlein vor sich herschiebend, Schläppchen an den Füßen (in den Proben erschien er gern bar -füßig), ein satyrisches Lächeln im Gesicht: Das war durchaus als Demonstration gedacht. Ernst durfte es sein bei Sir Roger Norrington, der nun mit 91 Jahren gestorben ist – aber bitte nur, wenn es unbedingt nötig war.

Der Weg zum Pult, den er in aller Gemütlichkeit nahm, gehörte für ihn noch nicht zum Ernst des Lebens, da nahm Norrington fröhlich Kontakt auf mit seinem Publikum. So wie ein Arzt, der seinem Patienten die Angst vor einer schweren Operation nehmen möchte. Nichts war dem Briten fremder als der Gedanke, dass Kunst etwas furchtbar Schwieriges sei und damit nur etwas für Eingeweihte. Dafür präsentierte er sich als lächelnder Buddha, mit behaglicher Bauchkugel als äußerem Ausdruck einer inneren Verfassung. Wenn Norrington zu dirigieren begann, war plötzlich alles auf dem Punkt. Immer aus der kraftvollen Körpermitte sich bewegend sorgte er für ein präzises Spiel, das sich ganz von ...

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Opernwelt September-Oktober 2025
Rubrik: Magazin, Seite 96
von Clemens Haustein

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