Der Sinn des Lebens
Was in Salzburg die Felsenreitschule an Herausforderung bedeutet, ist beim Festival d’Avignon der ehemalige Papstpalast. Schon die schieren Dimensionen des Aufführungsortes haben manchen Künstler, Regisseur, Ausstatter verzweifeln – und scheitern lassen. Während die Felsenreitschule allerdings – bei geschlossenem Dach – ein geschützter und nicht nur lichttechnisch gut bespielbarer Raum ist, herrscht in Avignon erst einmal pure, steinerne Nacktheit. Und viel frische Luft – plein air.
So groß die Bühne, so groß auch das Auditorium, man sitzt auf einer Tribüne und schaut quasi von oben herab aufs Geschehen. Das hat fürs Publikum etwas Demokratisches, kann aber leicht zur Falle für die Regie werden.
In der aktuellen Ausgabe des Theaterfestivals, dem mit Abstand größten und wichtigsten weltweit, hatte die kapverdische Choreographin und Regisseurin Marlene Monteiro Freitas diese Mammutaufgabe übernommen. Und sich damit letztlich doch etwas übernommen. Ihr Stück «NÔT» (zu Deutsch: Nacht) wurde als Reflexion angekündigt über Scheherazade und ihre Überlebensstrategie, einem üblen Herrscher allnächtlich Geschichten zu erzählen, damit dieser «am Ball» bleibe und sie nicht töte. Wer nun ...
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Opernwelt September-Oktober 2025
Rubrik: Im Focus, Seite 50
von Jörn Florian Fuchs
Der Kritiker der «New York Times», John Rockwell, erlebte 1976 in Avignon eine Uraufführung, «die einem ein Leben lang in Erinnerung bleiben wird». Und tatsächlich: «Einstein on the Beach» zu sehen und zu hören, das Musiktheater der beiden US-Amerikaner Philipp Glass und Robert Wilson, das bedeutete Mitte der 1970er-Jahre für die europäische Musik- und...
Das Schöne an sorgfältig geführten Archiven ist, dass man noch Jahrzehnte nach einer Aufführung seine Erinnerung auffrischen kann – und weil die Wiener Staatsoper über ein solches Archiv verfügt, ist es ein Leichtes, noch einmal jenen Septemberabend des Jahres 1998 heraufzubeschwören, als sich im Haus am Ring der Vorhang zu Georges Bizets «Carmen» hob, in einer...
Frau Yoncheva, können wir über Bilder, Imagos und Wahrnehmungen reden?
Ja, natürlich!
Schön. Am Karlsplatz in Wien, gegenüber des Ausstellungsgebäudes der «Secession», hing eine Zeitlang das riesige Werbeplakat eines ubiquitären Uhrenherstellers mit Ihrem Konterfei. Haben Sie sich in der Person, die dort abgebildet war, wiedererkannt? Oder haben Sie dieses «Bild»...
