«Ich bin viele andere»

Katzen haben sieben Leben, heißt es. Sonya Yoncheva kann sich mit ihnen messen. Sie ist eine echte Diva, sie ist Mutter, sie ist Marke und eine gewiefte Geschäftsfrau. Und Pin-up-Girl ist sie, nach eigenen Worten, auch. Zuallererst aber ist die bulgarische Sopranistin eine der besten Sängerinnen unserer Zeit. Ein Gespräch über Bilder, Brigitte Bardot, blinde Frauen, Freundschaften und die Angst vorm Fliegen

Opernwelt - Logo

Frau Yoncheva, können wir über Bilder, Imagos und Wahrnehmungen reden?
Ja, natürlich!

Schön. Am Karlsplatz in Wien, gegenüber des Ausstellungsgebäudes der «Secession», hing eine Zeitlang das riesige Werbeplakat eines ubiquitären Uhrenherstellers mit Ihrem Konterfei. Haben Sie sich in der Person, die dort abgebildet war, wiedererkannt? Oder haben Sie dieses «Bild» gar nicht wahrgenommen?
Ich habe es nicht gesehen. Aber ich kenne natürlich das Plakat.

Es war das Ergebnis eines Foto-Shootings, und ich konnte mir unter den zahllosen Aufnahmen, die gemacht wurden, ein Motiv aussuchen, das ich mochte. Manchmal fühlt es sich in der Tat sehr seltsam an, solche Fotos anzuschauen, weil ich mich selbst nicht so ganz wiedererkenne; es gibt eigentlich keine Verbindung zwischen mir und der Figur, die ich auf dem Bild sehe, und ich frage mich spontan: «Bin ich das wirklich?» Die ehrliche Antwort lautet: «Die Frau auf dem Plakat ist eine berühmte Sängerin, die Diva Yoncheva.» Und ich bin Sonya. Das ist für mich ein beträchtlicher Unterschied.

Die Differenz ist also da: Sind Sie zwei Persönlichkeiten in einem Körper?
Zwei reicht nicht – ich bin viele Persönlichkeiten mehr (lacht). Aber im Kern ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt September-Oktober 2025
Rubrik: Interview, Seite 54
von Jürgen Otten

Weitere Beiträge
Eine Ahnung von Avantgarde

Christian Thielemann, der alte Strauss-Hase, wurde im Vorfeld der Berliner Premiere nicht müde zu betonen, wie schwierig die «Schweigsame Frau» sei. Ins Haarsträubende hat Strauss die Anforderungen an Orchestermusiker wie an die Sängerinnen und Sänger hier gesteigert. Rasende Geschwindigkeit, rhythmische Vertracktheit, blitzschnelle Farbwechsel: Für die Musiker im...

Wieviel Nüchternheit braucht Musik?

In den Rang eines Sympathieträgers hat es der Dirigent Karl Böhm nie geschafft. Achtung, Interesse, Furcht: ja, Liebe: kaum. Böhm hat mit seiner Person viel dazu beigetragen, begonnen beim bereitwilligen Mitläufertum während der Nazi-Zeit (ein Wort des Bedauerns hat er dazu nie gefunden), bis hin zu seinem Ruf als Probenteufel. Kameramitschnitte von Proben Karl...

Wenig Liebe, viel Rache

Wer am Nachmittag vor der Vorstellung noch ein paar Kilometer auf dem Albschäferweg wandert, wähnt sich in einem nachgerade antikischen Arkadien. Da weht ein laues Lüftchen durch die sommerliche Heidelandschaft, die Herden der hier noch wie eh und je umherziehenden Wanderschäfer laufen einem über den Weg. Da will man doch gleich darüber sinnieren, ob das initiale...