Kühl kalkuliert
Der Oper wird gern vorgeworfen, sie sei unheilbar gestrig: zu «weiß», zu hierarchisch, nicht divers genug. Auf den zunehmenden Legitimationsdruck reagieren die meisten Häuser eher zaghaft und lagern ihre (Alibi-)Bemühungen bevorzugt in Begleitveranstaltungen aus. Die Amsterdamer Nationaloper geht die Sache offensiv an: Bereits vor einem Jahr kam mit «Anansi» eine spartenübergreifende, inklusive Produktion zur Uraufführung, die afrikanische Mythen aufgriff und westliche Narrative infragestellte.
Auf dieser Programmspur folgt nun auch die europäische Erstaufführung von «Blue» der (weißen) Komponistin und Dirigentin Jeanine Tesori – 2019 beim Glimmerglass Festival uraufgeführt und ein Jahr später von der Music Critics Association of North America als «Best New Opera» ausgezeichnet.
Das Werk spielt in Harlem und erzählt die Geschichte eines afroamerikanischen Polizeibeamten, dessen Sohn während einer Demonstration von einem Kollegen getötet wird. Die Geschichte wollte es, dass Tesoris Oper durch den gewaltsamen Tod von George Floyd und die dadurch ausgelöste «Black Lives Matter»-Bewegung eine erschreckende Aktualität (und mediale Aufmerksamkeit) zuwuchs. Alle Ankündigungstexte ...
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Opernwelt Januar 2023
Rubrik: Panorama, Seite 32
von Regine Müller
Unter Großbritanniens Komponistinnen war sie die Pionierin schlechthin, die größten Erfolge mit ihren reichinstrumentierten Bühnenwerken aber erzielte Ethel Smyth in Deutschland, wo sie eine Zeitlang studiert hatte. «Der Wald» auf ein Libretto von Smyth etwa wurde im April 1902 am Königlichen Opernhaus zu Berlin unter Leitung von Karl Muck uraufgeführt (und...
Diesen Lapsus würde kein Lektor seinem Autor durchgehen lassen: Als Leonore in das Verlies hinabsteigt, wo ihr Gatte Florestan seit zwei Jahren wie ein Tier gehalten wird, erschießt sie mal eben schnell einen anderen Gefangenen, um sich sodann liebevoll ihrem unglücklichen Manne zuzuwenden. Ein schockierender Moment, nicht weil plötzlich die Pistole knallt, sondern...
Einige der Bilder dieses Abends am Théâtre La Monnaie behaupten sich in einer Art von surrealem Selbstbewusstsein. Etwa die lebensgroße Kuh samt dazugehörigen Bilderbuchmägden – auf das sich Baron Ochs mit frischgemolkener Milch bekleckern kann. Oder die weißen, langsam aufsteigenden Luftballons, mit denen die Überreichung der Silberrose illustriert wird. Die...
