Krise? Welche Krise?
«Heidelberg singt» heißt ein Aktionstag beim Festival Heidelberger Frühling, dessen Titel man wörtlich nehmen darf: Einen ganzen Sonntag lang öffnen die Bürger der Stadt ihre Galerien, Kneipen, Schulen und teilweise auch Privaträume, um darin Lieder vorzutragen – vom Männergesangverein bis zur Alternative-Rock-Band, vom selbstgeschriebenen Song bis zu englischen Madrigalen. Es ist im Grunde dieselbe Idee, die schon Clemens Brentano und Achim von Arnim umtrieb, als sie zu Beginn des 19.
Jahrhunderts in Heidelberg die Sammlung «Des Knaben Wunderhorn» herausbrachten: Lieder von der Straße und aus den Dörfern aufzulesen, um sie als identitätsstiftenden Impuls zurückzugeben an die sich formierende Bürgergemeinschaft. Man liegt nicht falsch, wenn man Heidelberg als deutsche Liedstadt schlechthin bezeichnet. Schon der Minnesang blühte hier, in der Universitätsbibliothek ist mit dem Codex Manesse die bedeutendste deutsche Liederhandschrift des Mittelalters zu besichtigen. In Heidelberg sang Carl Maria von Weber nachts auf der Straße zur Gitarre, stimmten Eichendorff und Schumann im Wirtshaus Lieder an. Im 20. Jahrhundert entstand hier mit dem «Zupfgeigenhansl» das generationsprägende ...
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Opernwelt Juni 2017
Rubrik: Im Focus, Seite 16
von Michael Stallknecht
JUBILARE
Mark Elder wurde 1947 im englischen Hexham geboren. Er studierte Musik in Cambridge und trat als Dirigent international erstmals 1972 an der Oper von Sydney in Erscheinung. 1974 kehrte er nach England zurück und dirigierte von da an regelmäßig an der English National Opera, deren Musikdirektor er von 1979-93 war. Seinen künstlerischen Durchbruch bescherte...
Er kann nicht fassen, was um ihn herum geschieht. In Anna Viebrocks plastikmöbliertem, viel zu großem Vergnügungszelt. In Christoph Marthalers drückend geschäftiger Verlierergesellschaft, die nun wieder auf der Riesenbühne der Bastille Schicksal spielt. Zum ersten Mal seit 2008, als Gerard Mortier, damals noch Intendant der Pariser Opéra, diesen «Wozzeck» auf den...
Er war ein Freund von Marcel Proust, Dandy, hochgeschätzter Sänger in den Pariser Salons, Dirigent, Musikkritiker; seine leider nie ins Deutsche übersetzte Studie «Du Chant» ist eines der glänzendsten Bücher, die je über Gesang geschrieben wurden. Als Komponist ist Reynaldo Hahn vor allem mit seinen melancholisch-eleganten, die leichte mit der ernsten Muse...
