Krise? Welche Krise?

Akademie, Wettbewerb, Alternative Rock, Brotzeitkonzerte: Alljährlich zur Frühlingszeit wandelt sich Heidelberg zum Zentrum des Liedgesangs – wagemutig und erfrischend gegenwärtig

Opernwelt - Logo

«Heidelberg singt» heißt ein Aktionstag beim Festival Heidelberger Frühling, dessen Titel man wörtlich nehmen darf: Einen ganzen Sonntag lang öffnen die Bürger der Stadt ihre Galerien, Kneipen, Schulen und teilweise auch Privaträume, um darin Lieder vorzutragen – vom Männergesangverein bis zur Alternative-Rock-Band, vom selbstgeschriebenen Song bis zu englischen Madrigalen. Es ist im Grunde dieselbe Idee, die schon Clemens Brentano und Achim von Arnim umtrieb, als sie zu Beginn des 19.

Jahrhunderts in Heidelberg die Sammlung «Des Knaben Wunderhorn» herausbrachten: Lieder von der Straße und aus den Dörfern aufzulesen, um sie als identitätsstiftenden Impuls zurückzugeben an die sich formierende Bürgergemeinschaft. Man liegt nicht falsch, wenn man Heidelberg als deutsche Liedstadt schlechthin bezeichnet. Schon der Minnesang blühte hier, in der Universitätsbibliothek ist mit dem Codex Manesse die bedeutendste deutsche Liederhandschrift des Mittelalters zu besichtigen. In Heidelberg sang Carl Maria von Weber nachts auf der Straße zur Gitarre, stimmten Eichendorff und Schumann im Wirtshaus Lieder an. Im 20. Jahrhundert entstand hier mit dem «Zupfgeigenhansl» das generationsprägende ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Juni 2017
Rubrik: Im Focus, Seite 16
von Michael Stallknecht

Weitere Beiträge
Die Waffen nieder!

Kriegsspiele haben Tradition. Auf Holzsoldaten folgten Zinnfiguren, dann kamen Armeen aus Kunststoff, bevor Spielzeugblaster und Ego-Shooter für den bislang letzten Evolutionssprung des homo ludens sorgten. Es gibt aber auch ziemlich intellektuelle Formen der Kriegsspielerei: Die eine heißt Schach, die andere Regietheater. Friedensbewegte Zeitgenossen meinen,...

Weibliches Martyrium

Das Bild Neda Agha-Soltans, die bei einer Demonstration im Juni 2009 in Teheran starb, wurde zur Ikone der «Grünen Revolution». Der aus dem Iran stammende Komponist Nader Mashayekhi machte die von Milizen erschossene Studentin zur Titelgestalt seiner Oper «Neda – der Ruf», die – 2010 am Theater Osnabrück uraufgeführt – nun am Pfalztheater Kaiserslautern ihre...

Der Schöpfer, lustlos

Wie klingt es, wenn jemand zur Salzsäure erstarrt? Wie tönt es, wenn Sodom und Gomorrha in Schutt und Asche gelegt werden? Antworten gibt der italienische Komponist Giorgio Battistelli in seiner neuesten Oper «Lot», die jetzt mit zweijähriger Verspätung in Hannover uraufgeführt wurde.

Dass die erste Frage dann doch offen bleibt, liegt an der Librettistin Jenny...