Frauenliebe, scheiternd

Poulenc: La Voix humaine Bartók: Herzog Blaubarts Burg Kassel / Staatstheater

Es mag Zufall gewesen sein, dass der Besuch des Doppelabends mit Poulencs «Voix humaine» und Bartóks «Herzog Blaubarts Burg» genau auf den Weltfrauen-Tag fiel. Sind doch beide Einakter exem­plarisch auf das Schicksal einer in den Fesseln der Liebe ausweglos verstrickten Frau fokussiert. Die thematische Koinzidenz ist evident, wenn auch nicht unbedingt singulär. Poulencs Monodram und Bartóks zentrales Bühnenwerk sind Modellfälle zwangsläufig scheiternder übergroßer Frauenliebe zu eher phantomhaften Männern.

Wobei die französische Version (1929/1959) die metaphysische Überhöhung der «amour fou» verweigert: keine Spur von «Erlösung». Natürlich ließe sich fragen, ob die einzig im Verlangen nach dem unerreichbaren Geliebten existierende Frau unverändert real ist. Und dass Jean Cocteaus letal endender telefonischer «monologue intérieur» sowohl  in der Boudoir-Situation wie im ständigen Intermittieren des «Fräuleins vom Amt»  zeitgebunden ist, bleibt ebenso deutlich wie die Kraft von Béla Balázs’ symbolistischer Bildsprache und erst recht Bartóks symphonisch akzentuierter Orchesterdramatik. Umso dringlicher die Kombination der beiden Werke.

Zumal der Regisseur Stephan Müller und Hyun ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt April 2014
Rubrik: Panorama, Seite 36
von Gerhard R. Koch

Weitere Beiträge
Doppelt begabt

Franz Mazura – der Sänger-Schauspieler» – so lautet der Titel einer Festschrift, die zu seinem 80. Geburtstag erschien. Das trifft den Sachverhalt in doppeltem Sinne. Denn Mazura, 1924 in Salzburg geboren, war während der letzten sechs Jahrzehnte nicht nur einer der wichtigsten singenden Darsteller auf der Opernbühne, er war – und das kommt nur selten vor – Sänger...

Belastungsstörung im Salon

Verdis «Aida» ist eine Ikone des ­sogenannten «Regietheaters». Seit Wieland Wagner 1961 haben Regisseure wie Hans Neuenfels, Peter Konwitschny, Calixto Bieito oder Robert Wilson versucht, in diesem sperrigen Werk einen Sinn jenseits der monumentalen Oberfläche zu finden. Auch wer nicht gerade ein Moratorium für diese Oper fordern mag, darf die Frage stellen: Kann...

Wiedergänger im Aquarium

Verdis dicker, bankrotter Ritter Sir John Falstaff zeigt in Frankfurt den justiziablen Stinkefinger – allerdings nur auf dem Plakat, mit dem die Oper für Verdis bitterböse Komödie wirbt. Auf der Szene selbst geht es in Keith Warners Inszenierung eher gefällig zu. Warner, Boris Kudlicka und Kaspar Glarner (die für Bühne und Kostüme verantwortlich zeichnen), zeigen...