Krachende Gaudi

Wagners «Liebesverbot» aus dem Teatro Real Madrid

Opernwelt - Logo

Der Titel einer vor drei Jahren im Verlag Königshausen & Neumann erschienenen Essaysammlung über die «große, komische Oper» des Magdeburger Kapellmeisters trifft die Sache auf den Punkt: «Das ungeliebte Frühwerk».

Gewiss, von Zeit zu Zeit tauchte das durch Wilhelm Heinses libertäres «Ardinghello»-Utopia und Shakespeares «Maß für Maß» inspirierte «Liebesverbot» in den Spielplänen auf, seit Wolfgang Sawallisch und Jean-Pierre Ponnelle es 1983 in München sowie Niksa Bareza und Christian Pöppelreiter zeitgleich in Graz wieder auf die Bühne gebracht hatten – etwa in Meiningen, beim Glimmerglass Festival in Copperstown, in Bayreuth und Leipzig. Doch eine Herzensangelegenheit ist das Stück unter Intendanten, Musikdirektoren und Regisseuren bis heute nicht geworden. Und daran wird wohl auch die – nach einer Aufführungsserie in Madrid ans Colón in Buenos Aires weitergereichte – Produktion des Teatro Real nichts ändern.

Das hat nicht zuletzt mit den Anforderungen zu tun, die der junge Wagner der Sopran-Hauptfigur und dem führenden Tenor zumutet: Die fromme Isabella muss ständig in die Stratosphäre hinauf, soll obendrein Brünnhilden-Wucht mit Belcanto-Wendigkeit verbinden; vom aufmüpfigen ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt August 2017
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 21
von Albrecht Thiemann

Vergriffen
Weitere Beiträge
Zufall gibt es nicht

In der Kunst, den rechten Augenblick zu finden, macht Mara Eggert niemand so leicht etwas vor. «Es kommt oft vor, dass ein Dramaturg sich ein Foto einer bestimmten Szene wünscht, weil dann eine wichtige Textstelle gesungen wird. Aber man kann Bilder ja nicht hören – und optisch deutet nichts auf die Besonderheit des Moments hin.» Sichtbar wird der Moment oft erst...

Kein bisschen alt geworden

Am Anfang ist schon alles vorbei: Das Personal von Aribert Reimanns «Gespenstersonate» nach August Strindberg liegt in der neuen Produktion der Staatsoper in der Schiller-Theater-Werkstatt am Boden. Bis ein junger Mann hereinstürzt, der Student Arkenholz – nun regen sich die Toten, raffen ihre alten Rollen zusammen, um sie noch einmal zu spielen.

Otto Katzameier,...

Hm!

Als das Opernhaus Zürich – lang ist’s her – noch Stadttheater hieß, wurde dort auch die «Silberne Operette» gehegt. Mancher kennt heute noch den Namen des Haustenors, der unbeschreiblich populär gewesen sein muss. Er hieß (oder nannte sich) Max Lichtegg und war Pole. Vielleicht erinnern sich die ganz alten Herrschaften jetzt an ihn. Denn sein polnischer Nachfahre...