Kostüm braucht Überhöhung
Herr von der Thannen, wie erklären Sie es sich, dass Sie schon mehrfach zum «Kostümbildner des Jahres» gewählt wurden – aber noch nie als Bühnenbildner?
Ich muss sagen: Ein wunder Punkt! Seit knapp 30 Jahren mache ich immer beides. Für mich sind Kostüme und Bühnenbild untrennbar. Mehr noch: Meine Kostüme könnten überhaupt nicht wirken, hätten sie nicht den Raum, den sie dafür brauchen. Man denkt immer, Kostüme könnten aus sich heraus entstehen. Das ist ein Irrtum. Sie kommen aus dem Raum heraus.
Im Fall des Bayreuther «Lohengrin» sind die Ratten aus der Labor-Situation heraus entstanden.
Kam die Idee, den Chor als Ratten auszustaffieren, von Ihnen oder von Hans Neuenfels?
Ich glaube, von uns beiden. Wir gehen immer gemeinsam spazieren, wenn wir miteinander arbeiten. Ich glaube mich zu erinnern, dass wir eine animalische Gesellschaft zeigen wollten. Beim ersten Gespräch schwankten wir noch zwischen Pinguinen und Ratten.
Wo gehen Sie mit Neuenfels spazieren?
Hauptsächlich im Berliner Tiergarten. Es ist aber nicht so, dass uns dort einfach eine Ratte über die Füße gelaufen wäre. Fritjof Capra hat geschrieben, die Welt werde eines Tages von mehr Ratten als Menschen bevölkert sein. Ratten ...
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Opernwelt Jahrbuch 2011
Rubrik: Bilanz, Seite 112
von Kai Luehrs-Kaiser
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