Gedankenarbeit für alle Sinne
Ein gutes Opernhaus erkennt man nicht zuletzt daran, dass es in der Lage ist, gelegentlich über den Radius seiner Möglichkeiten hinauszuwachsen: daran, dass irgendwann im Laufe des siebenwöchigen Probenprozesses oder zuweilen auch erst in den Aufführungen jene katalysierende Reaktion einsetzt, die aus dem Ganzen mehr werden lässt als die Summe seiner Teile und die einen Opernabend erst zum Gesamtkunstwerk im eigentlichen Sinne macht.
Es ist erst wenige Monate her, dass an La Monnaie eine derartige Produktion zu erleben war: Die frenetisch gefeierten Aufführungen von Meyerbeers «Les Huguenots», mit denen Brüssels Opernhaus den Schlusspunkt einer mit Höhepunkten ohnehin nicht geizenden Spielzeit setzte, waren eine solche künstlerische Kernschmelze.
Wer verstehen will, was La Monnaie ausmacht, fängt denn auch am besten hier an – zumal Meyerbeers Werk tatsächlich eine der größten Herausforderungen ist, der sich eine Opernbühne heute stellen kann. Denn anders als beim «Ring» oder «Die Frau ohne Schatten» muss hier ja nicht nur eine Besetzung für teils horrend schwierige Partien, sondern müssen ein Stil und ein szenischer Umgang, die fünf Stunden aufwändiges Musiktheater rechtfertigen, ...
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Opernwelt Jahrbuch 2011
Rubrik: Opernhaus des Jahres, Seite 6
von Jörg Königsdorf
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Eine Ära war es nicht. Dennoch hat Albrecht Puhlmann es sich nicht nehmen lassen, zu seinem Abschied von der Staatsoper Stuttgart einen opulent gestalteten Bildband herauszugeben, der im Rückblick nochmals Höhe- und Tiefpunkte seiner fünfjährigen Intendanz dokumentiert. Dass die Reflexion dabei nicht zu kurz kommt, dafür sorgen neben bilanzierenden Textbeiträgen...
Der junge Händel hat während seines Rom-Aufenthalts 1707/08 zwei Oratorien komponiert: «Il trionfo del tempo e del disinganno» («Der Triumph von Zeit und Enttäuschung») und «La resurrezione» («Die Auferstehung»). Bekanntlich waren im päpstlichen Rom zu dieser Zeit private wie öffentliche Theateraufführungen verboten. Also tarnte man die Opern als geistliche...
