Jenseits der Ideologie, diesseits der Humanität
Gab es ein irrationaleres Zeitalter als das 20. Jahrhundert?
Verbannt oder verpönt zu verschiedenen Zeiten waren Mendelssohn, Mahler und Schönberg als Juden; Richard Strauss, Wilhelm Furtwängler, Hans Pfitzner und Franz Schmidt als Nazis; Hanns Eisler, Paul Dessau und Marc Blitzstein im Westen als Kommunisten; Schostakowitsch, der mit dem Vorwurf, «Lärm statt Musik» komponiert zu haben, abgetan wurde, griff man mit Prokofjew und Katschaturian in der UdSSR als «Formalist» an.
Was ist an Musik so gefährlich? Warum denunziert man sie mit abstrakten pseudowissenschaftlichen Ausdrücken wie «entartet», «dekadent», «degeneriert» oder gar «formalistisch»? Kann eine Musik, die nicht ausdrücklich als Propaganda komponiert wurde, als politisch bezeichnet werden?
Während die Ideologien sich bekämpfen, versuchen sie, andersdenkende Kulturträger aus der Geschichte zu eliminieren. Kann es sein, dass wir bis heute der Meinung bleiben, dass zwischen 1933 und 1945 niemand unter der Naziherrschaft etwas Wertvolles komponiert hat (mit Ausnahme von Richard Strauss)? Brauchten wir, um Schostakowitsch im Westen salonfähiger zu machen, die Aussagen von Solomon Volkov? Unzählige Bücher, Aufsätze, Studien ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt Jahrbuch 2011
Rubrik: Wiederentdeckung des Jahres, Seite 34
von Albrecht Thiemann
Herr Klobucar, Sie haben an der Wiener Staatsoper 1133 Vorstellungen dirigiert. Sie gelten als Rekordhalter. Hat sich die Treue rentiert?
Eigentlich nicht (lacht). Ich habe wegen Wien viele andere Sachen abgesagt. An der Metropolitan Opera hätte ich viel mehr Wagner dirigieren können. Auch «Cavalleria rusticana» – und das noch dazu in der italienischsten Oper der...
Impressum
Redaktion Opernwelt
Knesebeckstraße 59-61 | 10719 Berlin
Tel.: +49(0)30/25 44 95 55
Fax: +49(0)30/25 44 95 12
E-Mail: www.kultiversum.de/Opernwelt
Redaktion:
Stephan Mösch
Albrecht Thiemann
Mitarbeit/Gestaltung:
Andrea Müller
Angelika Stein, Irina Radtke (Assistenz)
Anzeigen – Print und www.kultiversum.de:
Annika Kusche
Tel.: +49(0)2154/429051
Fax:...
Herr Bermbach, Ihr Band über die Wagner-Rezeption in Deutschland bildet den Abschluss einer Trilogie. War das von Anfang an so geplant?
Meine erste Buch-Veröffentlichung zu Wagner war 1994 ein Taschenbuch: «Der Wahn des Gesamtkunstwerks». Entstanden ist es während eines Freisemesters innerhalb von drei Monaten. Nach dessen Abschluss war mir schnell klar geworden,...
