Jenseits der Ideologie, diesseits der Humanität

Kaum jemand kannte Mieczyslaw Weinberg – bis die Bregenzer Festspiele an den polnisch-jüdischen Komponisten und seine Auschwitz-Oper «Die Passagierin» erinnerten. Michael Haas skizziert die Kräfte, die ihn aus dem Bewusstsein tilgen konnten.

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Gab es ein irrationaleres Zeitalter als das 20. Jahrhundert?
Verbannt oder verpönt zu verschiedenen Zeiten waren Mendelssohn, Mahler und Schönberg als Juden; Richard Strauss, Wilhelm Furtwängler, Hans Pfitzner und Franz Schmidt als Nazis; Hanns Eisler, Paul Dessau und Marc Blitzstein im Westen als Kommunisten; Schostakowitsch, der mit dem Vorwurf, «Lärm statt Musik» komponiert zu haben, abgetan wurde, griff man mit Prokofjew und Katschaturian in der UdSSR als «Formalist» an.

Was ist an Musik so gefährlich? Warum denunziert man sie mit abstrakten pseudowissenschaftlichen Ausdrücken wie «entartet», «dekadent», «degeneriert» oder gar «formalistisch»? Kann eine Musik, die nicht ausdrücklich als Propaganda komponiert wurde, als politisch bezeichnet werden?

Während die Ideologien sich bekämpfen, versuchen sie, andersdenkende Kulturträger aus der Geschichte zu eliminieren. Kann es sein, dass wir bis heute der Meinung bleiben, dass zwischen 1933 und 1945 niemand unter der Naziherrschaft etwas Wertvolles komponiert hat (mit Ausnahme von Richard Strauss)? Brauchten wir, um Schostakowitsch im Westen salonfähiger zu machen, die Aussagen von Solomon Volkov? Unzählige Bücher, Aufsätze, Studien ...

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Opernwelt Jahrbuch 2011
Rubrik: Wiederentdeckung des Jahres, Seite 34
von Albrecht Thiemann

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