Einspruch
Seit es Regie im modernen Sinn gibt, seit etwa hundert Jahren also, wird sie angefeindet. Der Vorwurf ist im Grunde immer derselbe: zu eigenmächtig, zu weit weg von der Musik. Schon Max Reinhardt bekam das zu hören, so wie später Wieland Wagner oder Ruth Berghaus. Die gegenwärtige Debatte reiht sich da jedoch nicht einfach ein. Sie wird von offenen Geistern geführt, die wissen, wie sehr die Lebendigkeit des Musiktheaters von der Szene abhängt.
Es geht nicht darum, was Regie darf, sondern was sie kann. Jede Oper ist ein überaus komplexes ästhetisches Gefüge.
Viele Inszenierungen nehmen das kaum wahr. Es fehlt an Wissen und Können gleichermaßen. Was sich provokant geriert, ist oft nichts als Verlegenheit oder die Flucht in private Obsession. Eine Flucht vor den eigentlichen Herausforderungen.
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Opernwelt Jahrbuch 2011
Rubrik: , Seite 48
von
Seine Leidenschaft ist die Oper. Das wird er nicht müde zu betonen. Eine heiße, gewissermaßen legale Geliebte – die ihren Anbeter allerdings schon mehrfach von sich gestoßen hat. Vor diesem Hintergrund ist Mariss Jansons der wohl ungewöhnlichste «Dirigent des Jahres». Nur selten taucht er nämlich im Graben auf. Und wenn er es tut, dann erlebt man Affären: intensiv,...
Sechs Töne sind es, die Lisa auf dem weißen Sonnendeck bedrängen. Ein kurzes, schlichtes Motiv in Quart-, Terz- und Sekundschritten. Nichts Besonderes eigentlich. Und doch brennt sich sofort ein, was Oboe und Fagott da pianissimo und staccato in die Tanztee-Idylle an Bord des Dampfers blasen, der Lisa und Walter nach Brasilien bringen soll. Die ehemalige...
Für Birgit Nilsson war er das Ideal eines Maestro, der seine Sängerinnen und Sänger auf Händen trug. Sparsame Gesten, flexible Tempi, wenig Worte – das prägte seinen Stil. Berislav Klobucar hat zwar an der Wiener Staatsoper mehr Vorstellungen und mehr Werke dirigiert als alle seine Kollegen, ein Star war er dennoch nicht. Vielmehr ein Kapellmeister alter Schule –...
