Konvention und Anarchie
Das Verhältnis zwischen Alter und Neuer Welt ist von jeher gespannt und gespalten, zwischen Faszination und Abwehr, Verklärung und Verteufelung: eine Polarität, die sich seit Donald Trump noch dramatisch verschärft hat. «Seine» USA sind für viele vollends zum globalen Feindbild geworden. Aber selbst die Kultur ist von Schizophrenien geprägt. So dichtete Goethe: «Amerika, du hast es besser / Als unser Kontinent, das alte, / Hast keine verfallene Schlösser / Und keine Basalte. / Dich stört nicht im Innern, / Zu lebendiger Zeit, / Unnützes Erinnern / Und vergeblicher Streit».
Aber in einer älteren, gewiss nicht vollständigen Ausgabe fehlen genau diese Verse. Dem deutschen Bildungsbürger mochte die Hymne auf das «geschichts- und kulturlose» Amerika nicht munden. Noch bis in die 1960er-Jahre waren die «Amis» synonym mit Kaugummi, Coca-Cola, Wildwest-Film und Jazz, für einen schwäbischen Pastor nur «Mohrenlärm» – für Kunstsinnige ein Graus. Dabei lagen utopisches Leuchten und Abendland-Apokalypse eng beieinander; und dies sogar «links» wie «rechts»: Wo die einen aufs Reich der Freiheit setzten, sahen die anderen einzig die Hölle des Kapitalismus. Brecht-Weills «Mahagonny» lieferte die ...
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Opernwelt Dezember 2019
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 27
von Gerhard R. Koch
alpha
01.12. – 21.45 Uhr
Mariss Jansons dirigiert Bruckner: Symphonie Nr. 3
Lucerne Festival, 2005
arte
01.12. – 17.40 Uhr
Lucas Debargue spielt Saint-Saëns’ «Ägyptisches» Klavierkonzert
Dresdner Philharmonie, ML: de Billy
02.12. – 05.00 Uhr
Christmas in Vienna
Wiener Konzerthaus, 2014
Wiener Sängerknaben, Wiener Singakademie, ORF Radio-Symphonieorchester Wien
ML:...
Neugierig macht das Programm der neuesten CD der franko-kanadischen Altistin Marie-Nicole Lemieux mit drei selten zu hörenden Orchesterlieder-Zyklen des Fin de Siècle allemal. Ernest Chaussons berückendes «Poème de l’amour et de la mer» wird dabei umrahmt von Edward Elgars herben «Sea Pictures» und der Erstaufnahme der allegorischen «Ode symphonique» «La Mer» des...
Chaya Czernowin
Auch in ihrem neuen Stück, das an der Deutschen Oper Berlin uraufgeführt wird, unternimmt die israelische Komponistin eine Reise ins Innerste des Menschen: Ihr Musiktheater mit dem Titel «Heart Chamber» versteht sich als eine «Erforschung der Liebe» im 21. Jahrhundert. Claus Guth führt Regie, Johannes Kalitzke dirigiert, wir hören hin
Lorenzo...
