Konvention und Anarchie
Das Verhältnis zwischen Alter und Neuer Welt ist von jeher gespannt und gespalten, zwischen Faszination und Abwehr, Verklärung und Verteufelung: eine Polarität, die sich seit Donald Trump noch dramatisch verschärft hat. «Seine» USA sind für viele vollends zum globalen Feindbild geworden. Aber selbst die Kultur ist von Schizophrenien geprägt. So dichtete Goethe: «Amerika, du hast es besser / Als unser Kontinent, das alte, / Hast keine verfallene Schlösser / Und keine Basalte. / Dich stört nicht im Innern, / Zu lebendiger Zeit, / Unnützes Erinnern / Und vergeblicher Streit».
Aber in einer älteren, gewiss nicht vollständigen Ausgabe fehlen genau diese Verse. Dem deutschen Bildungsbürger mochte die Hymne auf das «geschichts- und kulturlose» Amerika nicht munden. Noch bis in die 1960er-Jahre waren die «Amis» synonym mit Kaugummi, Coca-Cola, Wildwest-Film und Jazz, für einen schwäbischen Pastor nur «Mohrenlärm» – für Kunstsinnige ein Graus. Dabei lagen utopisches Leuchten und Abendland-Apokalypse eng beieinander; und dies sogar «links» wie «rechts»: Wo die einen aufs Reich der Freiheit setzten, sahen die anderen einzig die Hölle des Kapitalismus. Brecht-Weills «Mahagonny» lieferte die ...
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Opernwelt Dezember 2019
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 27
von Gerhard R. Koch
Seit mehr als einem halben Jahrhundert ermittelt der Deutsche Bühnenverein die wichtigsten Wirtschaftsdaten der Theater und Orchester in Deutschland. Mitte Oktober hat der in Köln ansässige Verband die jüngsten Zahlen veröffentlicht. Sie beruhen auf den Angaben von 142 Staatstheatern, Stadttheatern, Landesbühnen sowie 128 Orchestern, 199 privaten Bühnen und 85...
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JUBILARE
Sieghart Döhring kam im ostpreußischen Bischofsburg/Biskupiec zur Welt. Er studierte Musikwissenschaft, Theologie und Philosophie in Hamburg und Marburg/Lahn, wo er 1969 mit einer Arbeit über die «Formgeschichte der Opernarie vom Ausgang des achtzehnten bis zur Mitte des neunzehnten Jahrhunderts» promoviert wurde. Von 1983 bis 2006 leitete er das...
