Konfrontation kann effektiv sein
Eine Überraschung ist es nicht: Schon in den vergangenen Jahren hat Tobias Kratzer mit extravaganten, faszinierend verstörenden, dabei stets diskursiven Regiearbeiten das gesteigerte Interesse von Publikum und Kritik auf sich gezogen. Seine «Tannhäuser»-Inszenierung bei den Bayreuther Festspielen 2019, die nun zur «Aufführung des Jahres» gewählt wurde und für die er zudem den Titel «Regisseur des Jahres»
erhielt, bildet gewissermaßen Essenz und Kulminationspunkt dieser intensiven, von einer Art Überschuss an Ideen geprägten Werkbefragungen.
Einen wesentlichen Anteil am Gelingen der Produktionen haben der Ausstatter Rainer Sellmaier und der Videokünstler Manuel Braun, mit denen Kratzer eine kontinuierliche Zusammenarbeit verbindet. Als Team setzen die drei Künstler Maßstäbe, wie die heutige Welt auf der Bühne aussehen könnte
Herr Kratzer, Bayreuth begreift sich noch immer als Werkstatt. Was hätten Sie in diesem Jahr beim «Tannhäuser» verändert?
Es gibt dort ein relativ kleines Budget für die Wiederaufnahmen. Ein neues Bühnenbild wie zum Beispiel Böcklins «Toteninsel», die seinerzeit für den zweiten Durchgang des Chéreau-«Rings» gebaut wurde, wäre heute also nicht mehr möglich. Für ...
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Opernwelt Jahrbuch 2020
Rubrik: Aufführung und Regisseur des Jahres, Seite 20
von Markus Thiel
Erfahrungsraum Oper» lautet der Titel jenes unbedingt lesenswerten Buchs, das vor fünf Jahren im Verlag Metzler/Bärenreiter erschien und Essays, Aufsätze und Künstlerporträts des Dramaturgen, Publizisten und «Opernwelt»-Autoren Uwe Schweikert versammelt. Der Begriff des «Erfahrungsraums» ist klug gewählt. Einmal beschreibt er die disparate Vielheit der...
Meine frühesten Opernerfahrungen datieren in die 1960er-Jahre zurück. Sie bestanden aus stundenlangem Anstehen um Karten, aus dem Erlebnis einer Vorstellung, bei der für die 14-, 16- oder auch 20-Jährige alles aufregend neu war – das Werk, die Aufführung, die Sänger, das ganze Drumherum –, und aus dem Blick in die Zeitung zwei Tage später, um zu erfahren, was der...
Kirill Petrenko
Für ihn gilt, weit mehr als für andere Granden seiner Zunft, ein Satz von Elias Canetti aus dessen Essayband «Masse und Macht»; ein Satz, der allzu gerne unterschlagen wird. «Der Dirigent», heißt es da relativ zu Beginn, «hält sich für den ersten Diener an der Musik. Er ist von ihr so erfüllt, dass ihm der Gedanke an einen zweiten,...
