Komödie des Triebs

Luzern: Mozart: Le nozze di Figaro: Pousseur: Faust-Satelliten

Etwas ist faul im Hause Almaviva. Zwar verläuft David Hermanns Inszenierung von «Le nozze di Figaro» am Luzerner Theater weitgehend in den gewohnten Bahnen – doch wer sind die uniformierten Herren, die im Hintergrund auffällig unauffällig das Geschehen beobachten? Warum hat der Graf immer wieder unerwartete Aussetzer? Und warum ist Basilio so hochneurotisch? Antwort geben die letzten Minuten der Aufführung: Die Uniformierten sind das Personal einer Irrenanstalt, Mozarts Figuren die in unterschiedlichem Maß kranken Insassen, die nun für die Nacht eingesperrt werden.

Das ist als Regiekonzept allzu dürftig. Zudem ist die Idee reichlich abgenutzt. Immerhin könnten der Regisseur und sein Dramaturg Christian Kipper auf die Vorlage der Oper verweisen: Die Komödie von Pierre Augustin Caron de Beaumarchais heißt schließlich «La folle Journée ou le Mariage de Figaro». Allerdings haben Mozart und sein Librettist Lorenzo da Ponte den ersten Teil dieses Titels mit Bedacht nicht übernommen, und die Partitur stützt die Verlegung ins Irrenhaus natürlich in keinem Moment.

Trotzdem ist der Abend sehenswert. Das liegt zum einen an der sehr sorgfältigen, im Rahmen des Konzepts stimmigen ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt April 2010
Rubrik: Panorama, Seite 44
von Alfred Ziltener

Vergriffen
Weitere Beiträge
Verehrte, Vergessene, Verkannte

Zum hundertsten Geburtstag von Peter Anders (1908-1954) gab es bei verschiedenen Firmen Neuauflagen seiner Schallplattenaufnahmen. Das Label «audite» hat jetzt mit einem Doppelalbum nachgelegt, das sich auf Rundfunkproduktionen des Berliner RIAS konzentriert. Anders war zu dieser Zeit im Begriff, vom lyrisch-dramatischen zum Heldentenor zu wechseln – 1950 gab er in...

Geschlechterkampf im Breitwand-Format

Für Glenn Gould war Ernst Krenek eine «One-Man History of Twentieth-Century Music». In der Tat gibt es wohl keinen zweiten Komponisten, der die musikalische Moderne gleichsam in Personalunion verkörpert. Im Symposion des Berliner Konzerthauses brachte es Lothar Knessel so auf den Punkt: Krenek sei der personifizierte Zeitgeist schlechthin – ein ganzes Jahrhundert...

Von der rituellen Präsenz des Wortes

Dies ist der vierte Mitschnitt von Carl Orffs hybrider Vertonung der sophokleischen «Antigonae» in der deutschen Nachdichtung Friedrich Hölderlins. (Die anderen stammen von der Salzburger Uraufführung 1949, der Münchner Erstaufführung 1951 und der Stuttgarter Inszenierung Wieland Wagners 1956).  Er entstand 1958 im Herkulessaal der Münchner Residenz mit Chor und...