Foto: Oper Stuttgart
Körper im Kopf
Auf der nackten, in dämmriges Licht getauchten Bühne transparente, mobile Milchglaswände. Am rechten Seitenportal ein Bücherberg, aus dem zögerlich ein Mann – dunkler Anzug, Rollkragenpullover – klettert und, halsbrecherisch auf dem Gedruckten balancierend, singt «Ich bin am Ende». Es ist der an einer Schaffenskrise leidende Schriftsteller Gustav von Aschenbach.
Während er seinen unausgelebten Sehnsüchten nachsinnt, steht plötzlich ein Fremder vor ihm, der mit einer Reise in den Süden lockt – nach Venedig, wo Aschenbach willenlos der erotischen Ausstrahlung eines halbwüchsigen Knaben verfällt und schließlich an der Cholera stirbt.
Für Brittens letzte, 1973 uraufgeführte Oper «Death in Venice» hat Myfanwy Piper Thomas Manns berühmte Novelle zu Stationen eines surrealen Passionsspiels verdichtet. Ihr Libretto mit seiner am Film orientierten episodischen Struktur führt Aschenbach sowohl als Handelnden wie als Erzähler ein, was es Britten ermöglicht, die literarischen Reflexionen der Vorlage in Form rezitativischer, nur vom Klavier begleiteter Selbstgespräche beizubehalten (Stefan Schreiber spielt das mit berückend rhapsodischem, oft an ein Cimbal erinnernden Anschlag). Den bei Mann ...
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Opernwelt Juli 2017
Rubrik: Im Focus, Seite 12
von Uwe Schweikert
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Die Bebilderung von Liedzyklen und Oratorien ist ein riskantes Unterfangen, sind doch die meisten Werke so komponiert, dass sie ohne szenische Zutaten auskommen. Nicht immer lässt sich daraus ein Mehrwert generieren, wie es der Pianist und amtierende Intendant der Salzburger Festspiele, Markus Hinterhäuser, 2014 bei Franz Schuberts «Winterreise» geschafft hat, die...
