Klingende Wissenschaft
«Wehe der Zeit, die keine Helden hat», klagt Galileos Lieblingsschüler. Und der Meister flüstert ihm zu: «Wehe der Zeit, die Helden nötig hat». Dann wendet er sich zu Tisch, weil er, der von der Inquisition überwachte, verachtete und gebrochene Wissenschaftler, immer noch gern isst. So endet Michael Jarrells Oper «Galilée», ein Werk, im Auftrag des Genfer Grand Théâtre entstanden, das ebenso bewegende Momente hat, wie es Fragen aufwirft.
Jarrell rückt in «Galilée» nach Brechts «Das Leben des Galilei» das Wort, den Text der Vorlage, ins Zentrum.
Die unterschiedlichsten Ausdrucksebenen, sei es in Ensembles, als Arioso, als Sprechgesang oder ganz einfach im Sprechen, schaffen ein dichtes Netz an Hinweisen auf die Emotionalität, mit der die einzelnen Charaktere ihre Interessen vertreten. Brecht hat 1938 am historischen Beispiel Galileos, der das alte Weltbild mit der Erde im Mittelpunkt in Frage stellte, das Dilemma des Wissenschaftlers zwischen Freiheit und Zwang, Wissen und Glaube deutlich gemacht. Nach dem Krieg betonte Brecht unter dem Eindruck der Hiroshima-Bombe mehr den Wissenschaftler als Anpasser. Jarrell, der Brechts Text persönlich gekürzt und als Stationenfolge von zwölf ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Spätestens mit Walter Felsenstein ist uns bewusst geworden, dass die Opernbühne zweierlei Arten der Darstellung erlaubt. Einmal das «mit Ausdruck Singen und dazu Spielen», wie es für die Oper als Regel gilt. Freilich nicht fürs Musiktheater. Denn für Letzteres ist Musik «nicht etwas vorher Gegebenes, in das der Sänger sich während des Singens einfühlt» (Joachim...
Fantastischer, silbrig schimmernder Zauberwald, der sich wie von Geisterhand bewegt (und doch nur aus vielfach verzweigten Männerkörpern besteht) oder eine grüne Schlafzimmer-Traumlandschaft vor riesiger Mondsichel? Welches Ambiente wird Shakespeares berühmtester Komödie in der kongenialen Vertonung von Benjamin Britten aus dem Jahr 1960 besser gerecht?
Peter Halls...
Zwischen Farce und Drama liegt manchmal nur ein Augenblick. Ist die Stimmung gerade noch heiter überdreht, funkt plötzlich das böse Schicksal dazwischen und bringt alles auf Tragödienkurs. Die Lacher verstummen, die Mienen verdunkeln sich. Die Lust am schrillen Unsinn schlägt jäh in depressiven Tiefsinn um. Und doch kommt die Nähe des scheinbar Disparaten nicht...
