Fliehende Zeit

Erstmals liegt Paul Hindemiths 1961 uraufgeführte Oper «Das lange ­Weihnachtsmahl» auf CD vor

Opernwelt - Logo

Thornton Wilder veröffentlichte 1931 seinen Einakter zum Fest: «The Long Christmas Dinner». Darin bringt er ein Weihnachtsmenü auf den Tisch, das, streng genommen, neunzig Jahre dauert. Hier werden Handlungen, Ereignisse, Stimmungen eines knappen Jahrhunderts mosaikartig zusammengetragen; während die Ahnen auf der einen Seite die Bühne verlassen, kommen ihre Nachfahren von der anderen hereinspaziert. Dank dieser klugen Montagetechnik erleben wir die Jahre im Eiltempo.


Paul Hindemith lernte dieses Werk gegen Ende der fünfziger Jahre kennen, fand es aber in der vorliegenden Form für eine Vertonung ungeeignet. Er wandte sich an den Autor und bat ihn um eine operntaugliche Bearbeitung. Wilder stimmte zu. Hindemith entwickelte daraufhin einen Fahrplan, eine Strukturskizze, in der er festlegte, wo er sich Platz für Duette oder Terzette wünschte bzw. wo er Textpassagen für überflüssig hielt. Nachdem Wilder diesen Wunschzettel umgesetzt hatte, schrieb Hindemith in nur drei Monaten die komplette Partitur.
Es hat mehr als vierzig Jahre gedauert, bis die erste Einspielung dieser Dreiviertelstundenoper auf Tonträger vorgelegt werden konnte. Wieder einmal hat sich ein Orches­ter des ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt März 2006
Rubrik: CDs, Seite 56
von Christoph Vratz

Vergriffen
Weitere Beiträge
Strauss: Salome

Von ihrer Dramaturgie her kann der «Salome»-Neuinszenierung des Mannheimer Nationaltheaters ohne weiteres zugestimmt werden. Gabriele Rech überfrachtet die Vorlage nicht durch weit hergeholte Assoziationen. Zentraler Ansatzpunkt: Die Titel­figur ist kein sexbesessenes männermordendes Ungeheuer. Im Text ist bekanntlich keine Rede vom sadistischen Monster, und die...

Begegnungen mit der jungen Birgit Nilsson

Es war das Jahr 1944. Ich selbst, mit fünf­undzwanzig Jahren äußerst musik­interessiert und zwar hauptsächlich an Opern, erhielt meine erste Anstellung bei einer großen Zeitung in Stockholm. Der Musikkritiker des Blattes hatte den guten Einfall, sich für «Hausmusik» einzusetzen. Zwei junge Damen sollten auftreten: eine Gesangschülerin, sechsundzwanzig, und ihre...

Sex ist nicht alles

Der Titelheld der Geschichte ist ein Verführer. Ein Sexprotz mit einem Eroberungsverzeichnis, das stolze 2065 Eintragungen aufweist. Was also liegt näher, mag sich Regisseur Georges Delnon, in Richtung Basel schei­dender Intendant des Mainzer Staatstheaters, gefragt haben, als jede Menge Sex auf der Bühne?
So lag gleich am Anfang Donna Anna nur spärlich verhüllt...