Geschichten aus dem Dunkel der Vorstädte

Der Tango ist ein Mythos. Wie man diesen ins Klischee schieben, aber auch der Psychoanalyse in die Arme reichen kann, zeigen zwei Produktionen der Operita «María de Buenos Aires» von Astor Piazzolla in Berlin und Magdeburg

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Es gibt viele Möglichkeiten, dem Leben mittels der Kunst zu entfliehen. Der Tango ist gewiss eine davon. Zunächst, und das ist kein Einspruch, nur ein Hinweis: Tango, das ist vieles, vieles Unsagbare. Aber eines vor allem ist der Tango immer gewesen: der (getanzte) Einspruch des Subjektes gegen die Welt. Und sei dieser Einspruch noch so prekär, noch so ordinär. Für das Subjekt, aber auch für die Welt.
Um das zu verstehen, muss man sich nicht um mehr als einhundert Jahre in ein Bordell der Vorstädte von Buenos ­Aires zurückversetzen lassen.

Aber man sollte einmal nur heute durch die Stra­ßen dieser wohl europäischsten Metropole Südamerikas schlendern (nicht ­eilen, schlendern wie ein Flaneur, schauend, blickend, suchend, innehaltend, sinnierend, den Augenblick festhaltend), und man sollte das am Tage tun, um die Klarheit und Eleganz von Buenos Aires bewundern zu können, die diese Stadt in ihrem Innern trägt, die sie aber, wenn man sich weiter hi­naus treiben lässt, mehr und mehr verliert an das Profane, auch Gefähr­liche. Und man sollte abends den gleichen Weg gehen, mit Einheimischen reden und sie fragen, wo er ist: der Tango. Dann wird man an einen unscheinbaren Ort gelangen, an ...

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Opernwelt März 2006
Rubrik: Magazin, Seite 18
von Jürgen Otten

Vergriffen
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