Geschichten aus dem Dunkel der Vorstädte
Es gibt viele Möglichkeiten, dem Leben mittels der Kunst zu entfliehen. Der Tango ist gewiss eine davon. Zunächst, und das ist kein Einspruch, nur ein Hinweis: Tango, das ist vieles, vieles Unsagbare. Aber eines vor allem ist der Tango immer gewesen: der (getanzte) Einspruch des Subjektes gegen die Welt. Und sei dieser Einspruch noch so prekär, noch so ordinär. Für das Subjekt, aber auch für die Welt.
Um das zu verstehen, muss man sich nicht um mehr als einhundert Jahre in ein Bordell der Vorstädte von Buenos Aires zurückversetzen lassen.
Aber man sollte einmal nur heute durch die Straßen dieser wohl europäischsten Metropole Südamerikas schlendern (nicht eilen, schlendern wie ein Flaneur, schauend, blickend, suchend, innehaltend, sinnierend, den Augenblick festhaltend), und man sollte das am Tage tun, um die Klarheit und Eleganz von Buenos Aires bewundern zu können, die diese Stadt in ihrem Innern trägt, die sie aber, wenn man sich weiter hinaus treiben lässt, mehr und mehr verliert an das Profane, auch Gefährliche. Und man sollte abends den gleichen Weg gehen, mit Einheimischen reden und sie fragen, wo er ist: der Tango. Dann wird man an einen unscheinbaren Ort gelangen, an ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Zwischen Farce und Drama liegt manchmal nur ein Augenblick. Ist die Stimmung gerade noch heiter überdreht, funkt plötzlich das böse Schicksal dazwischen und bringt alles auf Tragödienkurs. Die Lacher verstummen, die Mienen verdunkeln sich. Die Lust am schrillen Unsinn schlägt jäh in depressiven Tiefsinn um. Und doch kommt die Nähe des scheinbar Disparaten nicht...
Herr Dusapin, für Ihr «Faustus»-Libretto haben Sie aus vielen literarischen und anderen Quellen geschöpft. Der wichtigste Pate Ihrer Textcollage ist aber der englische Shakespeare-Zeitgenosse Christopher Marlowe. Wie kam es zu dieser Wahl?
Ich wollte Anfang der neunziger Jahre eigentlich über einen Text von Gertrude Stein arbeiten: «Doctor Faustus Lights the...
Puccini muss erst einmal warten. Denn um ihn ging es bei der Premiere des «Trittico» an der Deutschen Oper Berlin zunächst gar nicht. Im Vordergrund stand das gesellschaftliche Ereignis: So viel Prominenz aus Politik und Kultur findet sich in der Oper nur selten ein. Sogar der Bundespräsident hatte sich die Ehre gegeben. Es ging nicht zuletzt um die Frage, ob die...
