Ossian könnte vor Neid erblassen
Wie geht man – auf direktem Weg zum Weltstar – heute ein wichtiges Rollendebüt an? Rolando Villazón hatte vor drei Jahren mit dem Regisseur Paul-Emile Fourny, seit 2001 auch Intendant der Opéra de Nice, beim Festival von Antibes in «Lucia di Lammermoor» zusammengearbeitet. Man verstand sich gut, Villazón versprach Nizza eine «Werther»-Premiere – ohne zu wissen, dass diese sein Debüt werden würde: «Ich dachte, ich hätte den dann schon vorher gepackt.» Die Tenorgeschichte ist anders verlaufen.
Der aufgehende Stern debütierte stattdessen als Don Carlos, Hoffmann und Don José, musste sich an vielen bedeutenden Häusern in bereits bekannten Partien, allen voran seiner Parade- und Durchbruchsrolle als Rodolfo, vorstellen.
Und so hatte nun das vergleichsweise intime Haus in Nizza das Recht der ersten Werther-Nacht. Villazón sah es mit durchaus gemischten Gefühlen. «Auch hier ist man natürlich nicht in der Steppe, jeder der da sein muss, ist da.» In der winterlich sonnigen Côte d’Azur-Metropole war der Erwartungsdruck sogar besonders groß. Sänger dieser Kategorie gastieren hier selten, und so wurde Villazón gleich zum «Tenor des 21. Jahrhunderts» ausgerufen. Der nun erstmals seine letzte ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Der Vorwurf, dass man in eine Dichtung etwas ‹hineingelegt› habe, wäre ihr stärkstes Lob. Denn nur in jene Dramen, deren Boden knapp unter ihrem Deckel liegt, lässt sich beim besten Willen nichts hineinlegen», schrieb Karl Kraus. Auch auf Mozarts «Idomeneo, rè di Creta» und die beiden Inszenierungen des Werks in Wien und Graz ließe sich dieses Zitat anwenden. Willy...
Spätestens mit Walter Felsenstein ist uns bewusst geworden, dass die Opernbühne zweierlei Arten der Darstellung erlaubt. Einmal das «mit Ausdruck Singen und dazu Spielen», wie es für die Oper als Regel gilt. Freilich nicht fürs Musiktheater. Denn für Letzteres ist Musik «nicht etwas vorher Gegebenes, in das der Sänger sich während des Singens einfühlt» (Joachim...
Tito liebt Berenice, muss aber aus Gründen der Staatsräson auf sie verzichten. Sesto, Titos engster Freund, ist Vitellia hörig. Für diese aber, die Tochter des gestürzten Imperators Vitellius, ist Liebe eine kalte Zweckbeziehung – sie möchte auf den Thron, einerlei ob durch die Heirat mit Tito oder einen erfolgreichen Umsturzversuch Sestos. Die Rede ist von...
