Alter liebt Jugend
Noch bevor ich eine Aufführung sehen konnte, sprachen mich Leute auf diesen «Don Pasquale» an. Eine junge Sopranistin aus der Akademie des Festivals habe alle anderen an die Wand gesungen, großartige Entdeckung! Die Regisseurin habe mit ihren Einfällen die Bühne überladen. Außerdem war der intrikate Einwand zu vernehmen, die von der anderen Seite der Alpen stammende Regisseurin Amélie Niermeyer habe die italienische Essenz des Operntextes nicht verstanden.
Einwände der letzten Art hört man im gegenwärtigen Italien öfter.
In der Filmkritik etwa gibt es die Klage, Filme mit italienischen Sujets würden mit amerikanischen Schauspielern besetzt – die könnten nicht verkörpern, worum es eigentlich gehe. Aber sollte eine Regisseurin, die mit Da Ponte und Hofmannsthal groß geworden ist, ein Libretto von Giovanni Ruffini vom Anfang der 1840er-Jahre nicht auch entziffern können? Und ist eine «italienische Essenz» überhaupt so wichtig, ist Interpretation nicht interessanter? Hat der Künstlerische Leiter, Francesco Micheli, das Donizetti Opera Festival nicht als «europäisch» bezeichnet? In der Tat scheint Niermeyer nicht von Worten auszugehen. Sie schafft einen Raum: den schicken, auf ein ...
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Opernwelt Januar 2025
Rubrik: Im Focus, Seite 12
von Klaus Georg Koch
Am Abend des Jahres 1837 ging an der Pariser Oper der Tenorgesang eine freundliche Allianz mit der Athletik ein. Und zwar dank Gilbert Louis Duprez als Melchthal in Rossinis «Guillaume Tell»: In der Arie «Asile héréditaire» schleuderte er ein ut de poitrine, ein aus dem Brustregister gestemmtes hohes C, in den Raum wie ein Hammerwerfer sein Gerät. Es war quasi die...
Starkes Cover. Eine Frau mit blondgelockten Haaren im Stil der «Sixties», den Mund weit geöffnet, vielleicht zum Schrei. Ihr Blick ist herausfordernd, fast provozierend in seiner Fixierung auf einen Gegenstand oder etwas anderes, das außerhalb des Bildes liegt. Cathy Berberian konnte so gucken, sie war eine große Performerin, doch bevor sich Anne-May Krüger den...
Natürlich handelt Ingmar Bergmans großer letzter Film auch vom Theater; um das eigene Theater kreist die großbürgerliche Familie der Ekdahls, bei den Proben zu «Hamlet» trifft den schnell zu Tränen gerührten Oscar, Vater von Fanny und Alexander, der Schlag, und am Ende planen sie eine Neuinszenierung von Strindbergs «Traumspiel». Das Kunstwerk «Fanny och Alexander»...
