Klarer Fall

Die Bayerische Staatsoper kombiniert Béla Bartóks «Blaubart» mit seinem «Konzert für Orchester»; Oksana Lyniv und Katie Mitchell sezieren den Stoff mit Nina Stemme im Zentrum als sozialpathologische Kriminalgeschichte

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Der Mann hat besondere Vorlieben: «Senior Queens», Damen der reiferen Kategorie – und Geld genug, sich Mitwisser leisten zu können: Hat er eine bei einschlägigen Internetdiensten gefunden, dann lässt er sie von einem Gehilfen quer durch die Großstadt fahren, lackiert ihr daheim unter Klarsichtfolie die Fingernägel und sperrt sie anschließend in die siebte Kammer seines großzügigen Hauses. Bis ihm eines Tages die Ermittlerin (Nina Stemme) auf die Schliche kommt und ins Auto steigt, wie im Münchner Nationaltheater in einem knapp dreiviertelstündigen Film zu sehen ist.

Dazu spielt unten im Graben das Bayerische Staatsorchester, das unter seinem Generalmusikdirektor Kirill Petrenko auch ein feines, mit vielen brillanten Solisten durchsetztes Sinfonieorchester geworden ist, Béla Bartóks «Konzert für Orchester» als kühle Großstadtsinfonie. Die Dirigentin Oksana Lyniv, einst Petrenkos Assistentin am Haus, betont die rhythmischen Konturen und verzichtet auf alles Sentiment, das Bartók, 1943 im amerikanischen Exil unter dem Verlust von Heimat und Gesundheit leidend, eher subkutan preisgibt. 

Gut 30 Jahre zuvor hatte der Komponist, der auch als Mensch eher verschlossen gewirkt haben soll, ...

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Opernwelt März 2020
Rubrik: Im Focus, Seite 16
von Michael Stallknecht

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