Auf Wanderschaft
Der Wanderer singt mit gespaltener Stimme, sein Gesang vervielfacht sich wie in einem Anfall von Schizophrenie. Anselm Dalferths Hörtheaterstück «The Cold Trip – Eine Winterreise» beginnt wie ein klassischer Liederabend, entwickelt sich jedoch bald zu einem verstörenden Streifzug durch wahnhafte Abgründe und vereiste Innenwelten. Das Stück verbindet den ersten Teil von Schuberts «Winterreise» mit Bernhard Langs zeitgenössischer Reflexion dieses Liederzyklus, «The Cold Trip», für Klavier, Laptop und Stimme.
In tadelloser Sängerhaltung am Flügel stehend, intoniert Steven Ebel das erste Lied «Gute Nacht». Begleitet wird er von Samuel Hogarth, dem musikalischen Leiter der Produktion. Ein klassischer Vortrag scheint da zu beginnen, wäre nicht dieser eigenartige, leere Blick, mit dem der Tenor in die Ferne starrt. Unbehagen stellt sich ein. Mitten in der «Wetterfahne» bricht Ebels Stimme plötzlich ab. Der Sänger kann sich nicht mehr auf den Beinen halten, sein Gesang droht in einzelne Partikel zu zerbersten. Bassbariton Harald Hieronymus Hein und die Sopranistin Maren Schwier stimmen aus dem Zuschauerraum heraus mit ein. Die Klänge, die das Mainzer Geräuschensemble erzeugt, lassen die ...
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Opernwelt März 2020
Rubrik: Panorama, Seite 46
von Silvia Adler
Irgendwann an diesem Abend durchfliegt einen der Gedanke an Beethovens «Eroica». Und die Frage, wie viele Musiker wirklich nötig sind, um dieses symphonische Schlüsselwerk angemessen zu interpretieren. Während heute bis zu 80 Musiker auf dem Konzertpodium sitzen, waren es bei der Uraufführung der Symphonie anno 1803 im Palais des Fürsten Lobkowitz gerade einmal...
JUBILARE
Robert Lloyd nahm bei dem Bariton Otakar Kraus Unterricht. Er debütierte 1969 im damaligen Collegiate, dem heutigem Bloomsbury Theatre des University College London, als Don Fernando in Beethovens «Leonore», der Urfassung des «Fidelio». Von 1969-72 war er Solist an der Sadler’s Wells Opera Company (der heutigen English National Opera), anschließend...
Der Mann hat besondere Vorlieben: «Senior Queens», Damen der reiferen Kategorie – und Geld genug, sich Mitwisser leisten zu können: Hat er eine bei einschlägigen Internetdiensten gefunden, dann lässt er sie von einem Gehilfen quer durch die Großstadt fahren, lackiert ihr daheim unter Klarsichtfolie die Fingernägel und sperrt sie anschließend in die siebte Kammer...
