Klamauk und Klamotte
Wie «Les Troyens» gehört auch «Benvenuto Cellini» zu den Schmerzenskindern der Operngeschichte. Während die «Trojaner» inzwischen zu Recht als eines der großen Musiktheaterwerke des 19. Jahrhunderts gelten, hat es Berlioz’ 1838 uraufgeführte erste Oper «Benvenuto Cellini» weiterhin schwer. Warum, machte die Aufführung in Münster wider Willen deutlich. Libretto und Musik bewegen sich auf einem schmalen Grat zwischen funkelnder Ironie und bekennerischem Ernst.
Der Stoff, eine Episode aus dem Leben des Florentiner Goldschmieds und Bildhauers Cellini nach dessen Autobiografie, ist zwar historisch, von Berlioz aber prononciert auf die gesellschaftliche Rolle des Künstlers in seiner eigenen Zeit bezogen. Aggressiver, entlarvender Spott, etwa über die päpstliche Willkür, und ein emphatisch überzeichnetes künstlerisches Selbstbewusstsein verbinden sich dabei zu einer schillernden, auch musikalisch brillant unterfütterten Mixtur, die szenisch nicht leicht zu treffen ist.
Aron Stiehl hat in Münster die Flucht nach vorn angetreten und die karnevaleske Handlung in die Gegenwart verlegt. Herausgekommen ist dabei leider keine frivol-hintergründige opéra comique, sondern ein moderner Aufguss ...
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Opernwelt April 2014
Rubrik: Panorama, Seite 41
von Uwe Schweikert
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