Kiefern, Kräuter, Kalevala

In Savonlinna fordern Kari Heiskanen und Hannu Linntu ihr Publikum mit Aulis Sallinens düsterer Tragödie «Kullervo». Sakari Oramo und Anu Komsi beleben in Kokkola Kurt Weills «Silbersee» mit einfachen Mitteln

Opernwelt - Logo

Jemandem Holzhosen um die Hüften zu hexen, gehört in Finnland zu den ältesten Tricks. Er wird durch Singen bewirkt. «Dann sing ich ihm Steinschuhe an die Füße, Holzhosen um die Hüften», prahlt der Jungspund Jouhakainen im dritten Lied des Nationalepos «Kalevala», als er sich mit dem Oberzauberer Väinämöinen messen will. Singen, sagen und zaubern sind – auch sprachlich – eins in den alten Liedern.

Man traut also den Sängern viel zu in Finnland. Heut erst recht.

Bei den wichtigsten Operninstitutionen liegt die Intendanz nicht in den Händen von Kulturmanagern oder Regisseuren, sondern von Sängern. Die Mezzosopranistin Lilli Paasikivi leitet die Nationaloper in Helsinki, Finnlands einziges festes Opernhaus; die Sopranistin Anu Komsi organisiert seit 2006 das Opernfestival in Kokkola an der Nordwestküste des Landes; und der Tenor Jorma Silvasti hat nun seine erste Spielzeit als Intendant beim Opernfestival in Savonlinna absolviert. Er stammt aus dieser Region im seenreichen Südosten, die unmittelbar an Karelien grenzt. Und er hängt an ihr, trotz seiner großen ­Erfolge als Wagner- und Janácek-Tenor in Berlin, Frankfurt, Wien und Bayreuth. Man kann es verstehen. Die Landschaft ist im ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt September/Oktober 2014
Rubrik: Im Focus, Seite 26
von Jan Brachmann

Weitere Beiträge
Kontrolle und Emotion

Sie sagten einmal, Ihr Bayreuther «Parsifal»-Dirigat habe Sie verändert. Was ist passiert?                                                                                                              Mir war das vorher nicht so deutlich, dass Wagner nicht nur ein grandioser Komponist, sondern auch so etwas war wie der erste große Dirigent. Bei ihm ist alles...

Im Umbruch

So gehört sich’s. Der Tenor unserer Tage singt nicht mehr aus Notenblättern oder Klavierauszügen, sondern er hat sie in seinem Tablet gespeichert. Er blättert nicht mehr, sondern er klickt. Er braucht sein Gepäck nicht unnötig zu belasten. Wenn er aufs Podium geht, liegt kein Papier auf seinem Notenpult, sondern ein kleiner, flacher ­Lesebildschirm. Michael Spyres,...

Das ist ein Läuten und Leuchten

Sie ist ein Wunder!» – an Vorschusslorbeer herrscht kein Mangel. Freilich stammt der Satz nicht von irgendwem, sondern von Montserrat Caballé. Auch Teresa Berganza und Elena Obraztsova werden mit Lobeshymnen zitiert. Sie gelten der in Baku geborenen Sopranistin Dinara Alieva. Ausgebildet wurde sie an der Musikakademie ihrer Geburtsstadt. Preise in diversen...