Keine Angst vor großen Gesten
Frau Schmidt-Futterer, Ihre Zunft kommt auf dem Besetzungszettel meist an vorletzter Stelle. Einige Regisseure sehen das Kostüm als notwendiges Übel, viele scheinen sich regelrecht davor zu fürchten. Oder täuscht der Eindruck?
Nein, diese Angst beobachtet man tatsächlich oft. Entwickelt hat sie sich, als einzelne Kostümbildner den Kittel und die Schlabber-Trainingshose einführten. Erst war das originell, doch der Trend verselbstständigte sich rasch.
Inzwischen ist es an vielen Opernhäusern ganz und gar üblich, dass man irgendwas von der Stange besorgt, statt selbst zu entwerfen. Mehr ist im Budget oft auch gar nicht drin.
Was ist der Grund für diesen Trend zum Minimalismus?
Das hat sicher mit einer Scheu vor großen Gesten, vor Pathos zu tun. Womit ich nicht sagen will, dass eigene Entwürfe zwangsläufig pathetisch wären, bestimmt nicht! Aber auch mir wirft man gelegentlich vor, dass ich zu «kostümdramaturgisch» denke. Ich mache eben Kleider, die sich einmischen. Zugleich ist mir bewusst, dass es nichts Gefährlicheres gibt als eine zu auffällige Garderobe. Eine, die sich wichtig macht, die sich in den Vordergrund drängt. Die Angst vor «lauten» Kostümen teile ich.
Woran merkt man, dass ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt März 2016
Rubrik: Interview, Seite 32
von Kai Luehrs-Kaiser
Blutüberströmte Kinderleichen, literweise Sperma, durchbohrte, geschändete Körper, Regie-Berserker, Bühnen-Radikaler ‒ ob Calixto Bieito solche Markenzeichen, die ihm von Dramaturgen und Marketingabteilungen der Theater voran- und von der Kritik hinterhergetragen werden, nicht langsam fad werden? Während alle Welt den Mann auf den Wiedererkennungswert «Skandal»...
Nicht das eher tragische als komische Scheitern reicher, aber ein bisschen bekloppter Sangesdilettantinnen (Sujet zweier aktueller Kinofilme) ist das Thema dieser Ausgrabung, sondern die ehrgeizige und fiebrige Sphäre der Casting-Shows: Vorwiegend weibliche Ruhmsüchtige wanzen sich an vorwiegend männliche Prüfungsorgane heran, um die Karriere anzuschieben. Es darf...
Während die Verlegung alter Geschichten in neue Zeiten und an neue Orte heute zum Handwerkszeug der Szenografie gehören, lohnt es sich vielleicht manchmal, den Blick aufs Original zu richten. Zumal wenn dabei – wie jetzt in Kiel – nicht bloß die Wiederkehr des ewig Gleichen herauskommt. Der italienische Videokünstler Luca Scarzella hat sich in Rom an den...
