Eingeschränkte Sicht

Webers «Freischütz» aus der Semperoper auf DVD

Eigentlich ist diese DVD nicht rezensierbar. Denn der für die Bildregie verantwortliche Tiziano Manchini und sein Team haben die Aufführung des Dresdner «Freischütz» nicht in den Griff bekommen. Genauer: Sie sind an ihrem Dunkel gescheitert. Von der Wolfsschlucht sieht man so gut wie gar nichts, auch die anderen Szenen versacken. Zudem war die Kameraaufstellung ungünstig. Das Publikum mag es genossen haben, nicht durch eine Videoaufzeichnung belästigt zu werden, doch für den Zuschauer am Bildschirm ist das Ergebnis ärgerlich.

Es sieht über weite Strecken aus wie ein hausinterner Mitschnitt für spätere Proben mit neuen Besetzungen. In den Handel gehört es nicht.

Natürlich auch wegen Axel Köhlers bieder-belangloser Inszenierung nicht, über die in dieser Zeitschrift von Markus Thiel alles Notwendige  gesagt wurde (OW 6/2015). Zum Beispiel, dass die einzige plausible Regie-Idee in Gestalt einer hageren, hinkenden und hinzuerfundenen Dienstmagd daherkommt, die Kaspar erschreckt, Agathe schützt und am Schluss davongejagt wird. Was sie mit Samiel zu tun hat, bleibt offen – oder ist im Video schlicht nicht zu erkennen. Die Stimme des Teufels in der Wolfsschlucht jedenfalls kommt wie ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt März 2016
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 18
von Stephan Mösch

Weitere Beiträge
Schuld und Ranküne

Wo auch immer in den letzten Jahren der einst von der Zensur behinderte, von Verdi verschiedentlich umgearbeitete, vom Opernbetrieb lange vergessene «Stiffelio» auftauchte, erregte er Erstaunen und Bewunderung. Die 1850 in Triest uraufgeführte Oper brilliert nicht mit exotischen oder spektakulären Schauplätzen. Auch nicht, wie «Macbeth», mit einem berühmten Sujet....

Passion

Daniel Börtz verbeugt sich hastig. Lächelt schief, mit verlegenem Stolz. Schon schielt er wieder nach der Gasse und huscht von der Bühne. Eine fürsorgliche Hand muss den 72-jährigen Schweden mit dem weißen Rauschebart wieder nach draußen lenken, auf dass er den Applaus für die Uraufführung seiner «Medea» entgegennehme: Der klingt mehr als respektvoll. Das...

Der Glanz von dunklem Silber

Wenn man ihn des Diebstahls geistigen Eigentums bezichtigte, pflegte Händel sarkastisch zu reagieren: «Diese Dummköpfe», soll er gepoltert haben, «wissen doch gar nichts mit einer guten Idee anzufangen.» Oft lag er damit richtig. Doch Alessandro Scarlatti, dem er nicht nur eine Vielzahl an melodischen Einfällen, sondern auch Vorbilder für die prägnante Gestaltung...