Eingeschränkte Sicht
Eigentlich ist diese DVD nicht rezensierbar. Denn der für die Bildregie verantwortliche Tiziano Manchini und sein Team haben die Aufführung des Dresdner «Freischütz» nicht in den Griff bekommen. Genauer: Sie sind an ihrem Dunkel gescheitert. Von der Wolfsschlucht sieht man so gut wie gar nichts, auch die anderen Szenen versacken. Zudem war die Kameraaufstellung ungünstig. Das Publikum mag es genossen haben, nicht durch eine Videoaufzeichnung belästigt zu werden, doch für den Zuschauer am Bildschirm ist das Ergebnis ärgerlich.
Es sieht über weite Strecken aus wie ein hausinterner Mitschnitt für spätere Proben mit neuen Besetzungen. In den Handel gehört es nicht.
Natürlich auch wegen Axel Köhlers bieder-belangloser Inszenierung nicht, über die in dieser Zeitschrift von Markus Thiel alles Notwendige gesagt wurde (OW 6/2015). Zum Beispiel, dass die einzige plausible Regie-Idee in Gestalt einer hageren, hinkenden und hinzuerfundenen Dienstmagd daherkommt, die Kaspar erschreckt, Agathe schützt und am Schluss davongejagt wird. Was sie mit Samiel zu tun hat, bleibt offen – oder ist im Video schlicht nicht zu erkennen. Die Stimme des Teufels in der Wolfsschlucht jedenfalls kommt wie ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt März 2016
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 18
von Stephan Mösch
Richard Wagner war einer der ersten Komponisten, der nicht den Notentext, sondern die Aufführung als «Werk» verstand: Ein Kunstwerk, so seine Überzeugung, existiere nur dadurch, dass es «zur Erscheinung» komme. Und für das Drama sei das nun mal die Aufführung auf der Bühne. Damit unterschied sich Wagner nicht nur von starken Tendenzen der zeitgenössischen Ästhetik...
Mut zu Raritäten, präsentiert in konservativer Ästhetik: So könnte man die Eckpfeiler des künstlerischen Konzepts von Intendant Stefano Mazzonis di Pralafera umreißen, der seit 2007 das Königliche Opernhaus in Lüttich leitet. Sein Spielplan bietet Renner wie «La traviata» und «Die Zauberflöte». Aber eben auch Seltenes aus der zweiten Reihe wie Verdis frühen...
Dass Frankfurter Künstler wie die Altistin Katharina Magiera und der Gitarrist Christopher Brandt sich um den Genius Loci bemühen, überrascht nicht. Doch haben die beiden abseits des viel begangenen Weges nach seltenen Goethe-Vertonungen gesucht; auch bei den Großen der Liedkomposition wie Mendelssohn, Schumann und Wolf (wobei bei den beiden Ersteren Lieder nach...
