Kein Gebieter, nirgends
Ja, es gibt Vorurteile gegen dieses Stück: nicht zu Unrecht. Ganz ausgereift erscheint die Geschichte nicht, wirkt zudem bei oberflächlichem Blick wie ein «Rosenkavalier»-Imitat, wie der fahle Nachhall des Geniestreichs. Ist es aber nicht, wenn man genau hinschaut. Und vor allem: hinhört.
Dann wird schlaglichtartig die Vergänglichkeit der Epoche bewusst, und wie sehr die Klänge sie offenbaren: slawische Volksweisen als bloße Zitate, Walzer nurmehr mit gebrochenen Flügeln, hastig ins Leere laufend, eine heillos übertriebene Terzen- und Sextenseligkeit, kurzum: illuminierte Musik mit einem Schuss Koloraturtrivialität; affirmativ, illustrativ, selten kontemplativ.
Ein denk- und merkwürdiger Fall also, diese «Lyrische Komödie» des virtuosen Gespanns Hugo von Hofmannsthal und Richard Strauss, wobei: Gänzlich verdichtet hat Hofmannsthal das Libretto nicht; er starb, bevor er es vollenden konnte. Die Uraufführung am 1. Juli 1933 in Anwesenheit von veritabler Naziprominenz in Dresden erlebte der Dichter nicht mehr. Gut möglich, dass diese ihm aufgrund der politischen Umstände (beide Widmungsträger des Werkes, GMD Fritz Busch und Intendant Alfred Reucker, waren vom Hofe gejagt worden) auch ...
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Opernwelt Juni 2017
Rubrik: Panorama, Seite 41
von Jürgen Otten
ML = Musikalische Leitung
I = Inszenierung
B = Bühnenbild
K = Kostüme
C = Chor
S = Solisten
P = Premiere
UA = Uraufführung
WA = Wiederaufnahme
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– Powder her...
Am Premierenabend soll sie triumphiert haben, aber schon in der zweiten Vorstellung musste sich Kathleen Eve Parker, die Ellen der Schweriner Inszenierung, von Sonja Mühleck vertreten lassen. Espen Fegran konnte den Captain Balstrode immerhin noch spielen, aber nicht singen, was für ihn Mark Morouse aus dem Off erledigte. Paul McNamara, der die Titelpartie sang,...
Così fan tutte? Schön wär’s. Nur wenige Dirigenten durchforsten die Partitur dieses Dramma giocoso mit solch mikroskopischer Präzision und geschärftem dramaturgischen Sinn, wie es jetzt Hartmut Haenchen in der Opéra des Nations unternommen hat. Fast möchte man von einer revolutionären Tat sprechen, wäre nicht die Partitur schon ebenso beschaffen. Haenchen folgt...
