Annemarie Kremer (Salome) und Brian Davis (Jochanaan); Foto: Thomas M. Jauk
Karg konzentriert
Weniger ist für ihn mehr. Das hat Regisseur Ingo Kerkhof in Hannover mehrfach bewiesen. Zusammen mit seiner Bühnenbildnerin Anne Neuser holte er hier «Eugen Onegin» aus dem Russlandbilderbuch, stellte den «Figaro» in einen Theaterprobenraum und spiegelte bei «Ariadne auf Naxos» diese Spiel-im-Spielweise nochmals.
Dass es jetzt für «Salome» weder Palast noch Zisterne gab, überrascht demnach kaum. Nur das wesentliche Requisit fehlt nicht: der Kopf des Jochanaan.
Zum Schluss erfolgt zwar der Schuldspruch; dessen Vollstreckung aber dürfte unwahrscheinlich sein: Salome, von Annemarie Kremer mit großer Präsenz verkörpert, entschwindet durch eben jenen weißen Perlenvorhang, durch den sie zu Beginn den Schauplatz betreten hatte.
Wenn zu Beginn der verliebte Narraboth (eindringlich: Simon Bode) und der besorgte Page (konturiert: Hanna Larissa Naujoks) ihren Dialog vom 1. Rang aus führen, erinnert das zwar an Benedikt von Peters Distanzierungsgestus, unterstreicht aber mehr den voyeuristischen Blick, den beide (und wir alle) auf Salome haben. Sie steht denn auch ganz und gar im Mittelpunkt: Alles dreht sich um sie. Das weiß sie, das will sie. Alle(s) könnte sie haben, nur einen eben ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt Januar 2018
Rubrik: Panorama, Seite 41
von Rainer Wagner
Sie ist eine der berühmtesten Frauenfiguren der japanischen Geschichte, gelebt hat sie vermutlich von 1165 bis 1211: Shizuka Gozen, auch bekannt als Lady Shizuka. Ihre Geschichte, in aller Kürze, geht so: Zwei Brüder konkurrieren um die Macht. Einer von ihnen ist ihr Geliebter. Der andere will ihn umbringen. Shizuka verhilft ihm zur Flucht, gerät aber selbst in...
In Virgil Thomsons Suffragetten-Oper auf ein Libretto von Gertrude Stein geht es, wenn man so will, um eine Frau, die sich in anarchischem Getöse Gehör verschaffen will. Jetzt sorgt R. B. Schlathers erhellende Produktion der «Mother of Us All» (1947) für die frisch renovierte Hudson Hall in der zwischen New York City und Albany gelegenen Kleinstadt Hudson dafür,...
Für den gebildeten Musikliebhaber stellt sich die Entwicklung des deutschen Kunstlieds im 19. Jahrhundert von Schubert über Schumann, Mendelssohn Bartholdy, Brahms bis hin zu Wolf, Strauss und Pfitzner als ein Kontinuum dar. Doch Graham Johnson klärt im Booklet seines Recitals mit Liedern von Robert Franz darüber auf, dass nach Schuberts Tod (1828) ein Vakuum...
