Kaiser, Könige, Aristokraten
Theo Adam hatte einen prächtigen Charakterkopf, der ihn vielleicht auch für Film und Fernsehen prädestiniert hätte. Und tatsächlich hatte er im DDR-Fernsehen seit 1977 bis nahe an dessen (und des zugehörigen Staates) Ende eine eigene Sendereihe, in der er vor prunkvollen Kulissen sowohl prominente Kollegen als auch Nachwuchstalente vorstellte und damit, wie Jan Brachmann schrieb, «einem völlig unbürgerlichen Land Reste einer großbürgerlichen Salonkultur bewahrte».
Die Rolle des generösen Gastgebers, die er hier im Wortsinne verkörperte, bezeichnete wohl auch generell Adams Berufsverständnis, das sich gewiss zuerst von der Musik und ihren Schöpfern, aber fast gleichrangig ebenso von ihren – und damit auch seinen – Hörern her definierte: als ein Mann, der großzügig Schätze präsentierte, über die er dank Natur und Fleiß verfügen konnte wie nur wenige andere. Deswegen nahm er die ihm dargereichten Lorbeeren auch nicht in devoter Demut entgegen, sondern mit der kühlen grandezza einer Persönlichkeit, die das ihr Zugekommene und Zukommende mit gelassener Selbstverständlichkeit annahm, hütete und nutzte. Eine gewisse Theatralik war ihm dabei auch im zivilen Leben nicht fremd – so, als er ...
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Opernwelt August 2026
Rubrik: Hommage, Seite 84
von Gerald Felber
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