Rache ist bittersüß
Das Grauen in Güllen trägt Grau. Doch keineswegs so offensichtlich bedrohlich wie die grauen Herren in Michael Endes «Momo». Die Bewohner der heruntergekommenen Kleinstadt (Bühne: Heike Vollmer) mit dem vielsagenden Namen halten ihre Individualität so hoch wie ihre spießbürgerliche Anständigkeit. Jedenfalls sind sie entrüstet, als die in jungen Jahren aus ihren Reihen gejagte Klara nun als alte Dame zu ihnen zurückkehrt, um ihnen ein ziemlich unanständiges Angebot zu machen: Sie verspricht eine Milliarde für alle Einwohner Güllens, wenn die denn ihren Ex töten.
Klaras Jugendliebe Albert Ill hatte sie einst geschwängert, aber zu Gunsten einer besseren Partie sitzen gelassen. So wurde die Verstoßene in die Prostitution im fernen Hamburg getrieben. Eine Kette stets lukrativer Ehen machte sie dann jedoch zur reichsten Frau der Welt. Nun kann sie sich alles kaufen: Firmen, ihre Heimatstadt, die Moral von deren Bürgern.
Friedrich Dürrenmatt stellte die Fragen nach dem Regressieren der Moral in der Nachkriegszeit der 1950er-Jahre im Kontext seiner bitterbösen Schauspielkomödie «Der Besuch der alten Dame». Gottfried von Einem ließ sich davon zu seiner erfolgreichsten Oper inspirieren, die ...
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Opernwelt August 2026
Rubrik: Panorama, Seite 60
von Peter Krause
Den Anachronismus jedweder Aufführung von Musik, die mehr als zwei, drei Generationen alt ist, demonstriert verblüffend, irritierend – jedenfalls viele Fragen aufwerfend – der Countertenor Jakub Józef Orliński mit seinem Album «if music…». Unter der Prämisse stilistischer Kohärenz hebt er radikal die Wahl der Mittel auf.
Zunächst scheint die Begleitung eine...
Gott! Welch Dunkel hier! Was schon Beethovens bekleckerten Helden Florestan zutiefst bekümmerte (allerdings aus anderen Gründen und unter weit widrigeren Umständen), muss auch der Gast sich denken, der Anna Dreschers «Rigoletto»-Inszenierung in Tatjana Ivschinas Ausstattung im Badischen Staatstheater ansichtig wird. Viel Hoffnung gewährt das Regieteam uns nicht,...
Entrückte Seelen? Gibt es, zumindest im Kontext eines unerschütterlichen Glaubens. Didymus, jener römische Offizier, den die Liebe zur tugendhaften Theodora schier überwältigt hat, obwohl die weltentsagende Christin nach herrschender Doktrin auf der «falschen» Seite steht, schwört auf die Kraft einer spirituellen Macht, die selbst reale physische Gewalt zu...
