Rache ist bittersüß
Das Grauen in Güllen trägt Grau. Doch keineswegs so offensichtlich bedrohlich wie die grauen Herren in Michael Endes «Momo». Die Bewohner der heruntergekommenen Kleinstadt (Bühne: Heike Vollmer) mit dem vielsagenden Namen halten ihre Individualität so hoch wie ihre spießbürgerliche Anständigkeit. Jedenfalls sind sie entrüstet, als die in jungen Jahren aus ihren Reihen gejagte Klara nun als alte Dame zu ihnen zurückkehrt, um ihnen ein ziemlich unanständiges Angebot zu machen: Sie verspricht eine Milliarde für alle Einwohner Güllens, wenn die denn ihren Ex töten.
Klaras Jugendliebe Albert Ill hatte sie einst geschwängert, aber zu Gunsten einer besseren Partie sitzen gelassen. So wurde die Verstoßene in die Prostitution im fernen Hamburg getrieben. Eine Kette stets lukrativer Ehen machte sie dann jedoch zur reichsten Frau der Welt. Nun kann sie sich alles kaufen: Firmen, ihre Heimatstadt, die Moral von deren Bürgern.
Friedrich Dürrenmatt stellte die Fragen nach dem Regressieren der Moral in der Nachkriegszeit der 1950er-Jahre im Kontext seiner bitterbösen Schauspielkomödie «Der Besuch der alten Dame». Gottfried von Einem ließ sich davon zu seiner erfolgreichsten Oper inspirieren, die ...
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Opernwelt August 2026
Rubrik: Panorama, Seite 60
von Peter Krause
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