Kabinettstückchen
Man spielt die alten Rollen weiter, gibt die Lügen von einst als Wahrheit aus, lässt die Leichen im Keller schmoren. Das wird schon gut gehen, so lange niemand, der dort nicht ohnehin seit Jahren sein Unwesen als Untoter treibt, dieses Horrorhaus betritt und nachfragt. Doch der parsifaleske reine Tor, Student Arkenholz (Yoonki Baek singt die extrem hohe Tenorpartie frei, leicht und glänzend), ein echtes Sonntagskind, kann Tote sehen. Eine entlarvende Fähigkeit, die das rituell wiederholte Geistersouper, dem die immer gleichen Gäste beiwohnen, gehörig durcheinanderwirbelt.
Ein Kabinettstückchen der Gesellschaftssatire bringt Regisseur Julian Pölser am Theater Lübeck da auf die Bühne. Strindbergs Text scheint so bereits auf den bitterbösen Thomas Bernhard vorauszuweisen. Und Aribert Reimanns Kammeropern-Anverwandlung von 1984 besticht in ihrem radikal reduzierten, dabei atmosphärisch intensiven, gestisch geladenen musikalischen Filigran als eine ungemein assoziationsreiche Avantgarde von subkutaner Wirkungsmacht. Andreas Wolf und das Philharmonische Orchester der Hansestadt Lübeck entfachen dazu eine fein ausgehörte, intonatorisch sublime tosende Stille immer neuer Erinnerungsfetzen ...
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Opernwelt Juli 2021
Rubrik: Magazin, Seite 61
von Peter Krause
Die Causa ist überliefert. Eine junge Frau aus bürgerlichem Hause. Nach dem Tod des Vaters gerät sie in die Fänge ihrer sadistisch veranlagten Schwägerin. Durch diese dauerhaft gedemütigt und von unsichtbaren Dämonen getrieben, legt sie in ihrer Heimatstadt Tangermünde ein Feuer – mit unübersehbaren Folgen. In seiner Novelle «Grete Minde» greift Theodor Fontane die...
JUBILARE
Matthias Hölle absolvierte sein Gesangsstudium an der Stuttgarter Musikhochschule bei Georg Jelden, später bei Josef Metternich in Köln, wo er 1976 sein erstes Festengagement antrat und elf Jahre zum Ensemble gehörte. Wolfgang Gönnenwein holte ihn an die Ludwigsburger Schlossfestspiele, wo der Bass 1978 als Commendatore in Mozarts «Don Giovanni» Aufsehen...
Herr Nitsch, es sind immer wieder Parallelen gezogen worden zwischen dem Werk Richard Wagners und Ihrer eigenen Aktionskunst: beispielsweise die Verschmelzung mehrere Kunstformen, die Mehrtägigkeit der Aufführungen wie beim «Ring», die Faszination für die griechische Tragödie, für Ritual und Mythos. Wie würden Sie selbst Ihr Verhältnis zu Wagner beschreiben?
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