Nachts im Museum
Selbstständig ist der verlorene Sohn geworden, und ganz anders. Was Wunder: mit 43 Jahren und nach einer Tour d’Opéra über fast 30 Bühnen der Welt. Vor allem aber hat sich dieser «Lear» emanzipiert von jener Ästhetik, ob visuell oder vokal, mit der er 1978 bei den Münchner Festspielen das Licht einer damals teils buhenden, später nur noch entzückten, gebannten, erschütterten Opernwelt erblickte.
Dass er extrem unterschiedlichen Zugriffen standhielt, auch die Diagnose, dass es die Lear-Stimme – man denke an den ersten Interpreten Dietrich Fischer-Dieskau bis zu heutigen Kollegen wie Bo Skovhus, Wolfgang Koch und Gerald Finley – gar nicht gibt, all dies und noch viel mehr adelt das Stück zum Klassiker. Es ist die Rückkehr von Aribert Reimanns erfolgreichstem Werk an die Stätte der Uraufführung. Eine musikhistorisch befrachtete, auch emotionale Angelegenheit. Und eine Premiere, für die es knapp wurde und für die beinahe nur der Stream geblieben wäre. Gut zwei Wochen vorher gewährte der musenferne bayerische Ministerpräsident Gnade: Die Bayerische Staatsoper durfte für 700 Gäste öffnen.
Und da ist noch ein wichtiger Anknüpfungspunkt. Der betrifft Christian Gerhaher, gern als einzig ...
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Opernwelt Juli 2021
Rubrik: Focus Spezial, Seite 6
von Markus Thiel
JUBILARE
Matthias Hölle absolvierte sein Gesangsstudium an der Stuttgarter Musikhochschule bei Georg Jelden, später bei Josef Metternich in Köln, wo er 1976 sein erstes Festengagement antrat und elf Jahre zum Ensemble gehörte. Wolfgang Gönnenwein holte ihn an die Ludwigsburger Schlossfestspiele, wo der Bass 1978 als Commendatore in Mozarts «Don Giovanni» Aufsehen...
Ab und zu ist da die große Vereinsamung. Dann nämlich, wenn sich die Gruppe der ersten Violinen im Philharmonischen Staatsorchester Hamburg zum Dienst versammelt und – bis auf eine Ausnahme – nur Frauen an den Pulten sitzen. Geschmunzelt werde in solchen Momenten, sagt Solveigh Rose, Geigerin und Mitglied des Orchestervorstands. Und gern über den «Quotenmann»...
Forschersinn
Seine Liebe gilt der Alten Musik, ihrer (womöglich) wahren Gestalt. Seit dem Tag im Jahr 1974, als Jordi Savall mit Freunden das Ensemble Hespèrion XX gründete (das inzwischen Hespèrion XXI heißt), sucht der katalanische Musikwissenschafter und Gambist nach den Urklängen, nach dem Historisch-Authentischen. Am 1. August feiert er seinen 80. Geburtstag....
