Jetzt erst recht

Werkstatt Zukunft: In Halberstadt tönt ein Jahrhundertprojekt von John Cage, und das Theater koppelt Schönbergs «Pierrot Lunaire» mit einer Uraufführung

Wer Zeit erfahren will, findet in Halberstadt dafür beste Voraussetzungen. Hier wird John Cages Werk «Organ2/ ASLSP» aufgeführt. Die Vortragsbezeichnung lautet «as slow as possible». Auf der Orgel mit ihren ewig zu haltenden Tönen wäre dieses Werk als nie endender Klang denkbar. So weit geht man in der Halberstädter Burchardikirche nicht, aber die immer noch gigantomanische Idee ist schon ein Stück weit Wirklichkeit geworden: Cages Werk soll für die nächsten 639 Jahre erklingen.

Vom Jahr 2000 ging man genau diesen Zeitraum in der Historie der Stadt zurück, bis zur Erbauung der Domorgel, dem ersten Tasteninstrument mit 12-töniger Klaviatur, 1361. Nun soll ebenso lange in die Zukunft musiziert werden. Eine halbe Ewigkeit.

Dagegen nimmt sich das Nordharzer Städtebundtheater mit seiner zweihundertjährigen Geschichte geradezu jung aus. In der Jubiläumsspielzeit ist das Theater akut von Sparmaßnahmen bedroht, die tragenden Kommunen – Halberstadt und Quedlinburg – haben kaum Geld. Doch es regt sich auch Widerstand. Die neue Spielzeit steht unter dem Motto «Unverzichtbar!», Hoteliers haben eine Theateraktie ausgegeben, mit der Förder-willige das Haus finanziell unterstützen können. ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Januar 2012
Rubrik: Magazin, Seite 67
von Johannes Gleim

Weitere Beiträge
Volles erster Wotan

Logischer, behutsamer lässt sich eine Karriere nicht entwickeln. Sozialisiert wurde er als lyrischer (Oratorien-)Bariton, sein Material ließ er dann reifen mit härterer Opernkost, schließlich folgte der Sprung nach Bayreuth (Beckmesser) und mit Strauss’ Barak auch ins Heldenfach: Grenzübertritte waren das nie, was Michael Volle unternommen hat. Und so liefert auch...

Neapolitanischer Sonderweg

Der Siegeszug der Barockoper auf dem modernen Musiktheater kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass es nur ein schmaler Ausschnitt aus der riesigen Überlieferung ist, der bisher wieder zum Leben erweckt wurde. Eine Statistik für die Jahre 1980 bis 2003 dokumentiert, dass genau die Hälfte der insgesamt 3320 Produktionen auf vier Komponisten entfällt: Händel, den...

«Was das für eine Seligkeit ist...»

Felix Mendelssohn Bartholdy war Schüler des Liedmeisters Carl Friedrich Zelter und als solcher natürlich der Kunst des konzentriertesten Ausdrucks zugetan. Doch anders als etwa sein Zeitgenosse Robert Schumann scheint er die Entwicklung des romantischen Lieds kaum vorangetrieben zu haben. Bis vor Kurzem kannte man 79 Sololieder und 18 Duette: «geschliffene...