Jenseits von Gut und Böse
Die Musikwelt ist ungerecht. Weil sie falsch urteilt. Oder Lücken schafft. Oder verdrängt. Oder alles zusammen. Im Fall des österreichisch-jüdischen Komponisten und Literaten Adalbert von Goldschmidt, der 1848 als jüngstes von sechs Bankiers-Kindern im Reichtum geboren wurde und 1906 in völliger Armut starb, liegt die Schuld jedoch in erster Linie beim Antisemitismus, der ja nicht erst in den 1930er-Jahren zu schlimmsten Auswüchsen führte.
Schon im Wien der Décadence, wo Goldschmidt die Bekanntschaft von Gustav Mahler, Anton Bruckner und Hugo Wolf machte, pflegte man dergleichen Ressentiments über Gebühr, und so verwundert es auch nicht, dass dieser vielbegabte Künstler samt seinem Œuvre schon zu Lebzeiten in Vergessenheit geriet. Weit mehr als 100 Kompositionen – Lieder, Opern, Orchesterwerke, Kammermusik und Klavierstücke – hat Adalbert von Goldschmidt hinterlassen, doch wer wollte von sich behaupten, auch nur eine davon zu kennen? Ein Blick in Goldschmidts Werkstatt indes lohnt sich: Anfänglich von Wagner und Liszt inspiriert (dessen Meisterschüler er 1876 wurde, nachdem er zunächst bei Friedrich Wolf und Joseph Hellmesberger studiert hatte), suchte Goldschmidt nach einer ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt Januar 2025
Rubrik: Im Focus, Seite 18
von Jürgen Otten
What would you do if you knew that this was the last night of the world?» Diese Frage steht im Mittelpunkt der Kammeroper des katalanischen Komponisten Agustí Charles und seines Librettisten Marc Rosich. Sie stellt die Essenz des Stücks dar und appelliert an die wirklich «wichtigen Dinge» dieses und allen potenziellen Lebens. Denn ein Traum kündigt das Ende der...
Ein Gespenst geht um in deutschen Landen. Keine Angst, es ist nicht der Kapitalismus, der hat seine Maske längst abgestreift und herrscht unumschränkt. Nein, es ist ein anderes Ungeheuer, das vielen Kulturschaffenden die blanke Angst in die Mienen malt, es trägt den Namen Sanierung. Zahlreiche Opernhäuser müssen dringend ausgebessert, wenn nicht gar neu gebaut...
Erinnerungen – manchmal sind sie so federleicht wie ein Schmetterling, manchmal tückisch wie ein Hinterhalt. Und nicht selten schleichen die Boten des Unbewussten, denen Marcel Proust in seinem epischen Roman «A la recherche du temps perdu» das vielleicht beeindruckendste literarische Denkmal gesetzt hat, weil er sie zur Kunstform selbst stilisierte, so heimlich,...
