Jenseits der Linearität
Die Staatsoper Unter den Linden eröffnet ihren Premieren-Reigen traditionell am Tag der Deutschen Einheit und wählt dafür gern ein symbolträchtiges Stück. In diesem Jahr war es Luca Francesconis «Quartett» nach dem gleichnamigen Theaterstück von Heiner Müller. Der Dramatiker imaginiert darin die Hauptfiguren von Choderlos de Laclos’ Briefroman «Liaisons dangereuses», die Intrigantin Merteuil und den Verführer Valmont, als ehemaliges Paar, das sich noch einmal seine gegenseitige Abneigung und Abhängigkeit vorspielt, bis hin zum Geschlechtertausch.
In der steilen Abwertung und Unterordnung von Menschen durch Sex und Gewalt, Machination und Verführung scheint zugleich ein politischer Gehalt verschlüsselt.
Der 1956 geborene Francesconi hat das Stück ursprünglich in englischer Übersetzung vertont, für diese Aufführung aber Müllers deutsches Original zugrunde gelegt: Damit wird zwar die enorme Kälte und sexuelle Drastik des Textes in den Übertiteln ungefiltert lesbar – aber auch klar, dass Francesconis Vertonung mit dieser Tonlage nichts anzufangen weiß. Die Gesangsstimmen verbleiben im Modus expressiver Rede, während der Orchesterpart – verdoppelt durch ein elektronisches und im Raum ...
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Opernwelt November 2020
Rubrik: Panorama, Seite 31
von Peter Uehling
Volles Haus in Zürich. Das Opernhaus dort hat Platz für 1150 Zuschauer, 900 dürfen nun rein, die Gesichtsmasken allerdings muss man auch während der Vorstellung tragen. Nur: Das Orchester ist nicht da. Die Philharmonia Zürich nimmt im Orchesterprobenraum Platz, ebenso der Chor. Dieser ist einen Kilometer vom Opernhaus entfernt, die Live-Übertragung erfolgt über...
JUBILARE
Stein Winge absolvierte seine Ausbildung an der Academy of Dramatic Art in Oslo. Der Norweger, bereits als Produzent, Schauspiel- und Fernsehregisseur erfolgreich, wandte sich in den 1990er-Jahren verstärkt dem Musiktheater zu. Der internationale Durchbruch gelang ihm 1993 mit seiner Lesart von Mussorgskys «Boris Godunow» am Grand Théâtre de Genève....
Arg viel wissen wir nicht über dieses Mädchen. Sie lernt Peer Gynt beim Tanz kennen und ist gleichermaßen abgestoßen wie angezogen von seinem ungeschlachten Wesen. Und – sie ist geduldig. Solveig wartet und erträgt es in stoischer Ruhe, dass dieser «Peer Leichtfuß» sie immer wieder verlässt. Am Ende wird er ja doch zurückkehren in ihren Schoß. Wer weiß, ob diese...
