Jenseits der Avantgarde
Zu den Schlüsselwerken von Hans Werner Henzes neuem Vokalstil nach seiner Übersiedlung nach Italien Mitte der 1950er-Jahre gehört die 1958 entstandene «Kammermusik» über Hölderlins Hymne «In lieblicher Bläue» für Tenor, Gitarre, Klarinette, Fagott, Horn und fünf Streicher.
Der Komponist beschwört in diesem dreiviertelstündigen Werk, dem er später noch einen instrumentalen Epilog hinzugefügt hat, die schönheitstrunkene Welt der griechischen Antike wie seiner eigenen mediterranen Gegenwart und bezieht sich in der solistischen Verwendung der Gitarre zugleich auf die Musik der Renaissance und des Barock. Schon hier klingt jene Vision aus Arthur Rimbauds Prosagedicht «Being Beauteous» an, wie die Schönheit erst unter Schmerzen das «Gezisch des Todes und die kreisenden Wogen tonloser Musik» überwindet – Worte, die Henze dann 1963 in seiner kleinen Kantate für Koloratursopran, Harfe und vier Violoncelli vertonen sollte. Beide Kompositionen – selten gespielte Manifeste einer anderen, gegen die kompakte Majorität der damals herrschenden Ästhetik gerichteten Moderne, die man heute mit ganz anderen Ohren hört – sind jetzt unter der Leitung des Henze-Schülers und -Freundes Peter Ruzicka bei ...
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Opernwelt Juni 2016
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 33
von Uwe Schweikert
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