Janácek: Katja Kabanova
Alles ist offen. In der Kleinbürgermietskaserne samt tristem Innenhof fehlen die Wände. Jeder kann jeden sehen. Nur eine hat einen Vorhang, die Kabanicha, unangefochtene Herrscherin über den Block. Eine Domina im doppelten Sinne: Blockwart und sexuelle Herrscherin über Kaufmann Dikoj (Stephen Owen), dem sie mit der Peitsche zu Leibe rückt. Damit die anderen nicht sehen, wenn Sittenstrenge über die Stränge schlägt, braucht diese Kabanicha einen Sichtschutz.
Das Bühnenbild von Gabriele Rechs «Katja»-Neuinszenierung ist ein Blickfang und zugleich verdichtetes, in eine undefinierte Gegenwart geholtes Sinnbild für die Enge der Personenkonstellation. Raum für kleine oder große Fluchten gibt es nicht. Nur ein klitzekleines Gärtchen für die Auszeit. Hier entspannen sich der freigeistige Lehrer Kudrjasch und seine Barbara; hier vereinbaren Katja und Boris (Thomas Piffka) Liebesnächte; hier zeigt sogar die Kabanicha ein wenig Gefühl, wenn sie welke Blütenblätter abzupft.
Bühnenbild und Inszenierung fanden in Kassel Zustimmung, auch die durchweg guten schauspielerischen Leistungen. Beim Gesang musste man Abstriche machen. Die Titelrolle mit Janat Harach zu besetzen, war leider kein guter ...
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