Jahrmarkt der Eitelkeiten
Ein Trauerspiel ist’s. Aber keines in fünf Akten, wie gewöhnlich, sondern eines, das sich über fast sieben (nicht gar so gute) Jahre hinwegzieht und aus rund 70 Briefen und Telegrammen besteht. Die Protagonisten sind der Hofoperndirektor Gustav Mahler und ein Sänger, genauer: ein Tenor. Und da fangen die Schwierigkeiten schon an. Tenöre können Götter sein, wenn sie, wiederholt, das hohe C treffen, gelten in der Branche jedoch nicht erst seit gestern als äußerst kapriziöse Charaktere.
Auch Wilhelm «Willi» Birrenkoven war, zumindest in künstlerischer Hinsicht, alles andere als ein einfacher «Kandidat». Ein Heldentenor, wie er im Buche steht, begnadet, aber zugleich auch höchst empfindsam und empfindlich (was nicht das Gleiche ist), dazu stets besorgt um seine fragile Gesundheit.
Liest man den Brief- und Telegrammwechsel zwischen Mahler und Birrenkoven, der erstmals in vollständiger Form vorliegt, sträuben sich einem beinahe die Haare – vor allem über die Sturheit auf beiden Seiten, aber auch über die komplizierten Bedingungen des Betriebs. Dabei scheint die Causa anfangs recht eindeutig. Mahler will den gebürtigen Kölner, einen Star des Hamburger Stadt-Theaters, nach Wien holen, und ...
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Opernwelt Juli 2026
Rubrik: Medien, Seite 48
von Jan Verheyen
Es ist leider nicht bekannt, ob die Fürstin Feldmarschallin Werdenberg, Kosename «Bichette», eine eifrige Nietzsche-Leserin war. Lauscht man ihrer von milden F-Dur-Klängen ummantelten Introspektion im ersten Akt von Strauss’ «Rosenkavalier», darf man allerdings davon ausgehen. Wie sonst wüsste sie so genau um das Wesen menschlicher Existenz, um die Vergänglichkeit...
Ein kompakter Quader mit großen gläsernen Fensterfronten, daneben ein gedrungener Ziegelbau, an dem sich eine wacklig wirkende Feuertreppe herabschlängelt – so könnten auch ein in die Jahre gekommenes Schwimmbad oder ein Einwohnermeldeamt aussehen. Höchstens das rot getünchte Stück Weg, das über den zementierten Vorplatz zum Haupteingang führt und mit ausreichend...
Frau Daubnerová, wollen wir über das Verhältnis von Kunst und Politik reden?
Tatsächlich kommt man nicht umhin, über Politik zu sprechen, insbesondere in der Slowakei, wo ich lebe, wenn ich nicht im Ausland arbeite. Nachdem Robert Fico als Ministerpräsident wieder an die Macht gelangte, geschah in meiner Heimat in Windeseile, was der kürzlich abgewählte Viktor...
