Italienische Moderne in Thüringen
Die fünfte Spielzeit, die das Theater Erfurt in seinem hochmodernen Opernquader eröffnete, soll eine «italienische» werden. Das klingt nicht sprühend originell. Die erste Inszenierung der Saison war dann aber doch eine Überraschung. In einer Doppelvorstellung sind zwei Einakter des italienischen Komponisten Flavio Testi zu erleben. Das damit verbundene Wagnis ist nicht gering. Zwar war man in Thüringens Landeshauptstadt in den letzten Jahren um Zeitgenössisches nicht verlegen.
Doch für die beiden bisher größten Uraufführungen – Peter Aderholds «Luther» (2003) und Philip Glass’ «Waiting for the Barbarians» (2005) – konnte sich das Marketing des Hauses auf die Griffigkeit von Persönlichkeiten und Themen verlassen. Nun also zwei Literaturopern eines vierundachtzigjährigen italienischen Linksintellektuellen, mit dessen Lebenswelt das Erfurter Opernpublikum ungefähr so viel verbindet wie Rudi Dutschke mit dem Leipziger Gewandhaus. Kann das gut gehen?
Es kann, dank eines universellen Humanismus, der von Testi in beiden Stücken ohne tendenziöse politische Attitüde vorgetragen wird. Die Vorlage der Erfurter Uraufführung «Mariana Pineda» ist das gleichnamige Drama Fernando García Lorcas ...
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