Ist ein Traum, kann nicht wirklich sein

Der Grazer «Rosenkavalier» gerät in der Regie von Philipp M. Krenn und unter der musikalischen Leitung von Vassilis Christopoulos zu einer Studie über Vergänglichkeit

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Es ist leider nicht bekannt, ob die Fürstin Feldmarschallin Werdenberg, Kosename «Bichette», eine eifrige Nietzsche-Leserin war. Lauscht man ihrer von milden F-Dur-Klängen ummantelten Introspektion im ersten Akt von Strauss’ «Rosenkavalier», darf man allerdings davon ausgehen. Wie sonst wüsste sie so genau um das Wesen menschlicher Existenz, um die Vergänglichkeit alles Bestehenden.

Auch für Marie Therés, wie Octavian sie in vertrauten Augenblicken anspricht, ist das Dasein ein «ununterbrochenes Gewesensein», jede Gegenwart im Grunde schon Vergangenheit – und die Zukunft nur ein Vorschein des Todes. Mit dieser traurigen Gewissheit erinnert sich die stolze, wissende Frau an jene Zeit, in der sie selbst noch ein «Madel» war, eine schleierumwehte Braut im schneeweißen Kleid. Polina Pastirchak hat dazu einen vorsintflutlichen Filmprojektor von der Nachtkommode geholt, die neben einer schicken Chaiselongue, einem Stuhl, einer alten Standuhr und Gemälden, die heute ein Vermögen kosten würden, das Interieur des adeligen Salons bildet; noch einmal lässt sie, mit zart aufblühendem Mezzo, die (von väterlicher Seite arrangierte) Hochzeit mit dem Feldmarschall Revue passieren. Doch was und wen ...

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Opernwelt Juli 2026
Rubrik: Im Focus, Seite 22
von Jürgen Otten

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