Ist ein Traum, kann nicht wirklich sein

Annäherungen an Strauss’ «Rosenkavalier»: Walter Sutcliffe entführt uns in Halle in ein Seelenspiegelkabinett, François De Carpentries unternimmt in Oldenburg eine Zeitreise

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Eine Komödie ist eine Komödie ist eine Komödie? Glauben wir Henri Bergson, verhält es sich etwas komplizierter. Es gibt Komödien, die aus sich selbst heraus wirken und den Bereich des Komischen nie verlassen, sie sind derb und direkt. Aber es gibt, siehe Tschechows Theaterstücke, auch Komödien, denen das Tragische immanent ist, ohne dass sie diese Immanenz transzendieren würden: Das Tragische ist hier gewissermaßen die Substanz der Komödie.

Eine dritte Form ist die Komödie, die das Absurde in sich birgt, wobei das Absurde nicht im herkömmlichen Sinne absurd ist, sondern eine Absurdität evoziert, die aus der Komik hervorgeht.

Sie ist, darauf verweist Bergson in seinem Essay «Le rire» mit philosophischem Augenzwinkern, «keine Ursache, sondern Wirkung – eine ganz spezielle Wirkung, in der sich die besondere Natur der sie erzeugenden Ursache widerspiegelt». 

In Molières Schauspielen kann man dieses Phänomen wunderbar beobachten: Das Gelächter resultiert aus der Ernsthaftigkeit, mit der seine fast ausnahmslos männlichen Hauptfiguren ihre absurden Ansichten vertreten. Und auch im «Rosenkavalier» des kongenialen Gespanns Hofmannsthal-Strauss wird, leicht abgeschwächt, evident, was ...

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Opernwelt Mai 2023
Rubrik: Im Fokus, Seite 6
von Jürgen Otten

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