Irritierendes Intermezzo

Wagner: Siegfried an den Bühnen Bern

Opernwelt - Logo

Ein bisschen enttäuscht ist man jetzt leider schon, was aber daran liegt, dass man auch im «Siegfried» ein Meisterwerk erwartet hat: Zwei Teile von Wagners «Ring» hat Ewelina Marciniak in den beiden vergangenen Spielzeiten an den Bühnen Bern bereits herausgebracht. Gerade die «Walküre», stärker noch als das «Rheingold», war so fein gearbeitet, das man süchtig danach werden konnte.

Die Schauspielregisseurin Marciniak – der «Ring» ist ihr Operndebüt – erarbeitete mit den Sängerinnen und Sängern sehr detaillierte Nuancen szenisch-darstellerischer Wahrheit (was auch im «Siegfried» zuweilen durchaus gelingt); als Pluspunkt hinzu kam das szenisch-gestische Beiprogramm einer eigens für den Anlass gecasteten Tanzcompanie, die die Figuren doppelte und vor allem deren emotionale Vorgeschichte erzählte – als Siegmund und Sieglinde zueinander fanden, spielte ein wundervolles, junges Paar das «Stück» Liebe, Küsse, Bisse.

Die Tänzerinnen und Tänzer sind nun wieder dabei, allerdings nicht mehr die Choreografin Dominika Knapik; sie wurde ersetzt durch Mikołaj Karczewski. Und der arbeitet längst nicht mit der gleichen semantischen Präzision. Seine Truppe ist vielmehr eine aromatisch-assoziative ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Juni 2024
Rubrik: Panorama, Seite 51
von Egbert Tholl

Weitere Beiträge
Familienbande

Das erste Bild zeigt eine Amtsstube aus grauer Vorzeit, mit Aktenschränken inklusive staubigen Registern; auf wuchtigen Schreibtischen türmt sich Papier. Emsiges Personal in steifer Bürokleidung des mittleren 20. Jahrhunderts bewegt sich ruckartig, sackt zusammen, richtet sich wieder auf. Dann nehmen die Bewegungen Fahrt auf: Die Frauen wecken erstarrte...

Zwischen den Welten

Fahle Quart- und Quintklänge, fahles Licht. Man ist mit Blick auf die Figuren, die hier die Bühne bevölkern, versucht, an Goethes «Faust» zu denken: «Ihr naht euch wieder, schwankende Gestalten, / Die früh sich einst dem trüben Blick gezeigt.» Wir befinden uns im Jenseits, das signalisiert das lange Orchesterchorspiel. Und das vergegenwärtigen die Chorklänge, die...

Prima, eine Donna am Pult

Puccinis «Madama Butterfly» in der bahnbrechenden Inszenierung des mittlerweile verstorbenen Anthony Minghella bildete 2006 den Auftakt der Amtszeit von Intendant Peter Gelb an der New Yorker Met. Angefangen mit Cristina Gallardo-Domâs als Cio-Cio-San hat sich die nach wie vor erfolgreichste Produktion des Hauses als wahre Primadonnen-Schmiede entpuppt und...