Irre! Herrlich! Wahnsinn!
Wirklich überraschend kommt dieses Buch nicht: Nach Beethoven und Wagner äußert sich Christian Thielemann nun über Richard Strauss. Thielemann gehört zu den besten Strauss-Dirigenten unserer Tage; dessen Orchesterwerke und Opern setzt er mit besonderer Vor -liebe aufs Programm. Man geht bestimmt nicht zu weit, wenn man Strauss als Thielemanns Lebenskomponisten bezeichnet. Wohl noch vor Wagner, zu dem er fein zu unterscheiden versteht: «Strauss ist der Aufgeklärte. Wagner ist der Manipulator», schreibt er.
Und, mit Lust an der Zuspitzung: «Wagner führt einen ins Verderben, Strauss tut das nicht […] Strauss’ Aura lässt einem viel Luft, auch das ist ein Unterschied zu Wagner […] Wagner wird für mich immer der Einzige bleiben, Strauss ist der Besondere.»Heißt wohl so viel wie: Wagner fordert die Unterwerfung, Strauss lässt Raum für Sympathien.
Und die brechen sich in diesem Buch in durchaus anrührender Weise Bahn: gut 300 Seiten, auf denen Thielemann, getragen von tiefer Begeisterung, Strauss’ Leben rekapituliert, die großen Werke dieses Komponisten bespricht, besondere Passagen schildert. Das hat nicht selten etwas vom Sprechen eines Fans, der sich in immer neuen Schleifen die ...
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Opernwelt Dezember 2024
Rubrik: CD, DVD, Buch, Seite 30
von Clemens Haustein
Die Dämonen sind da. Oben und unten. Oben, von den Rängen, erschallen aus verborgenen Lautsprechern die (sechs) Stimmen derjenigen, deren einziges Ziel es ist, wilde Spekulationen zu verbreiten, und ihn, den Virtuosen, an den Pranger zu stellen. Unten, aus den Lamellen zur Linken wie zur Rechten sowie von der Hinterbühne, fliegen Tänzerinnen und Tänzer als seine...
Von den alten Griechen ist der Mythos überliefert, dass Schwäne im Angesicht des Todes besonders schön singen. Daher rührt der Begriff «Schwanengesang». Seitdem die English National Opera vor dem Abgrund steht, singt und spielt sie, als beflügle die Not des Hauses ihre Kreativität. In den letzten zwei Jahren hat die ENO eine Reihe von Aufführungen produziert, wie...
Dem Kurzzeit-Schwiegersohn Ernst Krenek zufolge war sie eigentlich recht einfach zu begreifen: «Ihr Stil war der von Wagners Brünnhilde, transportiert in die Atmosphäre der Fledermaus.» Aber war Alma Mahler-Werfel wirklich eine solche Sphinx, nur ohne Geheimnis? Ihre große Kunst, geliebt zu werden, nicht nur von Gustav Mahler, Walter Gropius, Oskar Kokoschka und...
