Avantgarde von gestern

Mit Olivier Messiaens Opus summum «Saint François d’Assise» eröffnet Benedikt von Peter seine Intendanz am Theater Basel – leider evangelisch-refomiert

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An Olivier Messiaen kann man sich reiben – bis heute. Die von ihm nach dem Zweiten Weltkrieg vorangetriebene Schärfung des Denkens in Reihen hat die Serialität zum Herzstück der musikalischen Avantgarde Westeuropas werden lassen. Seine Neigung zu komplexen Rhythmen und aperiodischen Verläufen, zu denen er sich durch die Erkundung der Vogelgesänge inspirieren ließ, war ebenso folgenreich wie der durch fernöstliche Praktiken genährte Umgang mit Klangfarben.

Dass all das mit einem tiefen Glauben verbunden war, dass es sich zu einer Musik fügte, die sich als Gotteslob und nur als das verstand, davon freilich wollten manche der ganz dem technischen Fortschritt verpflichteten Avantgardisten nichts wissen.

Um diesen Zwiespalt geht es bei der jüngsten Produktion von «Saint François d’Assise». Mit der ausladenden Oper Messiaens wollte Benedikt von Peter seine Intendanz  am Theater Basel einläuten. Das hat, denkt man die räumlichen Gegebenheiten und die Traditionen in der Musikstadt Basel, seine Plausibilität. Und die Planungen, vor zwei Jahren in die Wege geleitet, liefen ausgezeichnet – bis die Pandemie dazwischenkam. Anders als Aviel Cahn, der «Saint François d’Assise» als Schweizer ...

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Opernwelt Dezember 2020
Rubrik: Im Focus, Seite 10
von Peter Hagmann

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