Tiefes Nichts
Da hat Peter Carp sicher recht. Dass Herbert Fritsch an seinem Haus inszeniert, sei auch «ein bisschen ein Nebeneffekt von Corona». Vermutlich wäre der Schauspieler, der als Theaterregisseur eine grandiose Spätkarriere hingelegt hat, in guten Zeiten an größeren Häusern beschäftigt. Andererseits ist sein Regiedebüt am Theater Freiburg überfällig; schließlich war Intendant Carp als Chef in Oberhausen Katalysator dieser Karriere. Und überdies einer der ersten, die nach dem Lockdown im Frühjahr mit einem Alternativspielplan zurückkehrten, in dessen Mittelpunkt kleine Opern stehen.
«Mr. Emmet Takes a Walk» ist eine solche. Der im Jahr 2000 uraufgeführte Einakter bedeutete eine überraschende Rückkehr von Peter Maxwell Davies ans Musiktheater – und eine umstrittene. Die Uraufführungskritiker gingen zum Teil recht harsch damit ins Gericht; Andrew Clark nannte das Stück «dramaturgisch flach» und «psychologisch impotent». Was auch 20 Jahre danach durchaus nachvollziehbar ist.
Denn «Mr. Emmet Takes a Walk» verfügt über kein wirkliches Narrativ. David Pountneys Libretto skizziert verschiedene Episoden aus dem Leben dieses Mannes, von real bis surreal. Am Ende wird er seinen Kopf auf die ...
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Opernwelt Dezember 2020
Rubrik: Panorama, Seite 37
von Alexander Dick
JUBILARE
Ernst Krenek war sauer. Stocksauer. Da hatte doch dieser unverschämte junge Regisseur am Staatstheater Darmstadt 1978 sein heiliges Werk «Karl V.» so unbotmäßig und radikal gekürzt, dass der Schöpfer es kaum mehr wiedererkennen mochte. Wütend also suchte der eigens aus den Vereinigten Staaten von Amerika angereiste Komponist das Weite und produzierte damit...
Das Outfit ist, nun ja, gewagt. Vor allem, wenn man bedenkt, aus welcher Zeit es stammt. Die 1950er-Jahre in Deutschland waren noch nicht unbedingt von jenem freien Geist geprägt, den die Generation danach etablieren sollte. Das Abendkleid jedoch, das die junge Frau mit dem verschmitzten Lächeln trägt, kündet von der kommenden Avantgarde: weitgeschwungen in der...
Rainer Maria Rilke hatte vermutlich seinen Hegel gerade nicht zur Hand, als er, in den «Duineser Elegien» war es, die poetische These formulierte, das Schöne sei «nichts als des Schrecklichen Anfang». Vergegenwärtigen wir uns nur einmal die Geschichte von Orpheus, dem Ursänger, und seiner geliebten Eurydike, so mag dieses Wort des Dichters zwar zutreffen. Hört man...
