Inszenierung eines Sängermonuments
Als Bariton hat Plácido Domingo seine Karriere 1959 – war er wirklich, ewige Frage, erst 16 Jahre alt? –, begonnen, als Bariton hat er sich im Spätherbst seiner Laufbahn an der Staatsoper in Berlin, an der Scala und an Covent Garden präsentiert: mit zwei Dutzend Aufführungen von Giuseppe Verdis «Simon Boccanegra». Die von Antonio Pappano geleiteten Londoner Aufführungen – deren erste war seine 225. am Royal Opera House – liegen nun als DVD-Dokumentation vor.
Die fünf Jahre alte Inszenierung von Elijah Moshinsky diente als bescheiden-unauffälliger Rahmen für stereotype Auf- und Abtritte, vernutzte Posen und Gesten der prunkvoll kostümierten Sänger, die mimisch groß – manchmal auch komisch – ins Bild gesetzt werden, so wie es schon in Frederico Tiezzis Berliner Einrichtung der Fall gewesen war (siehe OW 12/2009). Interessant ist die DVD allein als Inszenierung eines Sängermonuments. In London zeigte Domingo sich in erstaunlich guter Form: expansiv phrasierend, kraftvoll und in dramatischen Ausbrüchen (weitgehend) unangestrengt. Vom Typus immer schon ein dunkler Tenor, fehlt ihm jedoch jene Farbe, die den großen Rollenvertretern – Leonard Warren oder Tito Gobbi – zur Verfügung stand. ...
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Opernwelt Januar 2011
Rubrik: Medien/DVD, Seite 17
von Jürgen Kesting
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