Graf von Unheilig
Der Bischof und später kurzzeitig amtierende Kardinal Clemens August Graf von Galen (1878–1946) ist fast so etwas wie ein Münsteraner Heiliger. Ein Held – und doch ein eigentlich dem Nationalismus äußerst zugetaner Verdränger. Seliggesprochen wurde er 2005 «trotzdem». Im Nationalsozialismus war Galen großem politischen Druck ausgesetzt.
In drei großen Predigten hagelte es bald von der Kanzel Anklagen gegen den »Klostersturm«, gegen die Vertreibung der Nationalsozialisten und vor allem gegen die Euthanasiemaßnahmen, über deren unfassbare Unmenschlichkeit man beispielsweise in der Gedenkstätte Pirna-Sonnenstein, pädagogisch hervorragend konzipiert, mehr erfährt. Die Nazis beendeten die Maßnahmen zur Verschleppung und Ermordung von Menschen mit Einschränkung daraufhin. Galen rettete viele Leben. Den jüdischen Gläubigen seiner Stadt half er nicht. Denn das hätte ihn vielleicht selbst ins KZ gebracht.
Das Theater Münster macht etwas, was viel zu selten geschieht: Es hebt ein Thema, das eine Stadt bewegt, aufs musiktheatralische Podium. Komponiert hat das heuer resultierende Auftragswerk »Galen« Thorsten Schmid-Kapfenburg, der bisweilen am Theater dirigiert, von dem aber selbst ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt 7 2022
Rubrik: Panorama, Seite 49
von Arno Lücker
Manchmal scheint das Problem zeitgenössischen Musiktheaters darin zu liegen, dass entweder zu viel, zu wenig oder – wie häufig – im Grunde gar nichts erzählt wird. Diese Problematik tritt im Zeichen von Christian Josts «Egmont» in der Deutschen Erstaufführung (2020 bestellt und uraufgeführt vom Theater an der Wien) in Bielefeld vollkommen in den Hintergrund. Jost...
Johann Wolfgang von Goethe war nicht nur ein von Gott gesandter Dichter, er bekundete seine Souveränität auch im Umgang mit anderen Künsten, zumal der Musik. Beleg ist eine Sentenz, die sich in Goethes Gesprächen mit Eckermann unter dem Datum 11. März 1828 findet: «Denn was ist Genie anders, als jene produktive Kraft, wodurch Taten entstehen, die vor Gott und der...
Wagners «Tristan und Isolde» sagt man eine weitestgehende Handlungslosigkeit nach. Alles Äußere sei in diesem Werk nach Innen gekehrt: innere Vorgänge, Liebesschmerz, Liebestrunkenheit, Gekränktheit. Alles nur im Kopf. Und im Herzen.
Das Regie-Duo Alexandra Szemerédy, und Magdolna Parditka hat in seiner Lesweise jetzt in Saarbrücken einmal alles auf den Kopf...
