Innenwelten

Britten: The Turn of the Screw
HEIDELBERG | THEATER

Opernwelt - Logo

Henry James’ Erzählung «The Turn of the Screw» gehört zu den rätselhaftesten Texten der Weltliteratur. James entfaltet darin mit kriminalistischer Spannung die unheimliche Atmosphäre in einem englischen Landhaus, ohne am Ende eine Lösung zu bieten.

Handelt es sich um einen Fall von früherem Kindesmissbrauch, wenn die Waisen Miles und Flora von den Geistern zweier Verstorbener bedrängt werden? Oder ist es eine Fallstudie über die neue Gouvernante, die ihre psychosexuelle Neurose und den damit einhergehenden Machtwillen auf ihre beiden Zöglinge projiziert?

Auch Brittens Oper beantwortet die Frage nicht, verschiebt aber durch die Tatsache, dass die Stimmen der Verstorbenen nicht nur erklingen, sondern dass der ehemalige Diener Peter Quint und die frühere Erzieherin Miss Jessel als verführerische Untote real auftreten, die Gewichte beträchtlich – umso mehr, als die Vertonung für ein solistisch besetztes Kammerorchester die Schwelle von Wirklichkeit zu Übersinnlichkeit auch musikalisch einfängt. Das geschieht vor allem in den 15 Instrumental-Variationen, die die in Filmschnitten erzählte Handlung von Szene zu Szene weiterschrauben, bis das zugrunde liegende Zwölftonthema im finalen, ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Dezember 2021
Rubrik: Panorama, Seite 41
von Uwe Schweikert

Weitere Beiträge
Heiter bis wolkig

Am ehemaligen Stammhaus seines vor 21 Jahren verstorbenen Lehrmeisters (dessen «Ring»-Deutung er ebendort ablöst) gibt sich Stefan Herheim auf den ersten Blick als gelehriger Schüler. Denn fast gebetsmühlenartig predigte Götz Friedrich seinerzeit den Studierenden, sie mögen doch bitte bei der Konzeption ihrer Inszenierungen unbedingt die drei dramaturgischen Zeiten...

Der andere Blick

Während der Ouvertüre würdigen sie sich keines Blickes. Auf der rechten Seite des Bühnenportals sitzt Graf Almaviva. Zur Linken seine Gattin. Bevor noch «Le nozze di Figaro» am Theater Regensburg so richtig in Gang kommt, ist die Ausgangssituation dieser Mozart-Oper auch körperlich bereits vorgezeichnet. Der Vorhang ist durchscheinend, dahinter blaut bereits die...

Wer die Wahl hat, hat keine Wahl

Gioachino Rossinis «Otello» entstand 1816, zwischen den Erfolgsopern «Il barbiere di Siviglia» und «La Cenerentola». Mit der Prominenz von Verdis «Otello» (1887) kann das Stück heutzutage nicht mithalten, was einerseits in der kritischen Rezeption begründet liegt: Die differenzierte Handlung der Shakespeare-Grundlage werde bei Rossini banalisiert (der Komponist...