Innenwelten
Henry James’ Erzählung «The Turn of the Screw» gehört zu den rätselhaftesten Texten der Weltliteratur. James entfaltet darin mit kriminalistischer Spannung die unheimliche Atmosphäre in einem englischen Landhaus, ohne am Ende eine Lösung zu bieten.
Handelt es sich um einen Fall von früherem Kindesmissbrauch, wenn die Waisen Miles und Flora von den Geistern zweier Verstorbener bedrängt werden? Oder ist es eine Fallstudie über die neue Gouvernante, die ihre psychosexuelle Neurose und den damit einhergehenden Machtwillen auf ihre beiden Zöglinge projiziert?
Auch Brittens Oper beantwortet die Frage nicht, verschiebt aber durch die Tatsache, dass die Stimmen der Verstorbenen nicht nur erklingen, sondern dass der ehemalige Diener Peter Quint und die frühere Erzieherin Miss Jessel als verführerische Untote real auftreten, die Gewichte beträchtlich – umso mehr, als die Vertonung für ein solistisch besetztes Kammerorchester die Schwelle von Wirklichkeit zu Übersinnlichkeit auch musikalisch einfängt. Das geschieht vor allem in den 15 Instrumental-Variationen, die die in Filmschnitten erzählte Handlung von Szene zu Szene weiterschrauben, bis das zugrunde liegende Zwölftonthema im finalen, ...
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Opernwelt Dezember 2021
Rubrik: Panorama, Seite 41
von Uwe Schweikert
Das Theater Regensburg sei «einer der sichersten Räume der Stadt», verkündet die Stimme vom Band, bis zu zweieinhalb Mal pro Stunde werde im Zuschauerraum die Luft ausgetauscht. Nicht ganz so sicher ist es anscheinend auf der Bühne, wo sich schon während der Ouvertüre ein achtköpfiges Tänzerensemble erschießt, erhängt oder Gift schluckt. Keine Frage, Werther, der...
Über Jesus Christus und Richard Wagner, heißt es, seien so viele Texte geschrieben worden wie sonst über keine anderen historischen Figuren. Ob das stimmt, bleibe dahingestellt. Aber als Religionsstifter eigener Art hat Wagner jedenfalls durchaus fungiert. Entsprechend polarisierend war die Rezeption zwischen Verklärung und Verteufelung von der Mitte des...
Hohe Poesie war es nicht unbedingt, was da in der Mai-Ausgabe der Zeitschrift «Musica» des Jahres 1967 zu lesen war. Aber dazu fühlte sich der Kritiker Hans Böhm auch nicht berufen. Seine Aufgabe bestand darin, eine Uraufführung an der Dresdner Hochschule für Musik Carl Maria von Weber zu besprechen: «Weiße Rose», von ihren Autoren, dem Kompositionsstudenten Udo...
