Der andere Blick
Während der Ouvertüre würdigen sie sich keines Blickes. Auf der rechten Seite des Bühnenportals sitzt Graf Almaviva. Zur Linken seine Gattin. Bevor noch «Le nozze di Figaro» am Theater Regensburg so richtig in Gang kommt, ist die Ausgangssituation dieser Mozart-Oper auch körperlich bereits vorgezeichnet. Der Vorhang ist durchscheinend, dahinter blaut bereits die Szene von Hans-Dieter Schaal, die bei ihm stets etwas Architektonisches hat: ein eher schlichtes, helles Gehäuse, das sich von Akt zu Akt immer mehr aufzulösen scheint.
Mal wird ein Fenster, mal eine Türe demontiert, und immer wieder dreht sich die Bühne schwindelerregend um die eigene Achse, als wollte man eine neue Perspektive, einen anderen Blick auf das Geschehen ermöglichen.
Alles ist hier bis ins kleinste Detail durchdacht, und doch kommt die Inszenierung so leichtfüßig, spielerisch daher wie gleich zu Beginn Eva Zalenga: eine Susanna, nicht nur gesanglich zum Verlieben. Regie führt Arila Siegert, eine Choreografin, die zu DDR-Zeiten noch von Gret Palucca an ihrer Dresdner Schule als ebenso ausdrucksstarke wie durchsetzungsfähige Tänzerpersönlichkeit ausgebildet wurde. Als prägende Erfahrung nennt die Wahl-Berlinerin ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt Dezember 2021
Rubrik: Im Focus, Seite 22
von Hartmut Regitz
Der Plan war stimmig: Pünktlich zum 250. Geburtstag Ludwig van Beethovens wollte Glyndebourne im vergangenen Jahr eine Neuinszenierung von dessen einziger Oper «Fidelio» herausbringen – in der Regie von Frederic Wake-Walker, dirigiert von Festivaldirektor Robin Ticciati. Doch daraus wurde aus hinlänglich bekannten Gründen nichts. Nun, ein Jahr später, bildete die...
Luigi Rossis 1647 für den französischen Hof komponierter «Orfeo» bricht alle Rekorde. Allein 23 Solisten listet das Personenverzeichnis auf, und eine Spieldauer von sechs Stunden stellt selbst redselige spätere Gesamtkunstwerker wie Wagner oder Stockhausen in den Schatten. Rossis Librettist Francesco Buti erweitert die tragische Handlung um den mythischen Sänger...
Pierre Jodlowski hat sein 80-minütiges Musiktheater dem Mathematiker Alan Turing gewidmet. Sein genreübergreifendes Kammermusikwerk für eine Sängerin, einen Schauspieler, fünf Musiker und audiovisuelle Geräte ist voller Widersprüchlichkeiten – ähnlich wie das Leben des Protagonisten. Turing war ein Held im Hintergrund des Zweiten Weltkriegs: mathematisches Genie...
