Der andere Blick
Während der Ouvertüre würdigen sie sich keines Blickes. Auf der rechten Seite des Bühnenportals sitzt Graf Almaviva. Zur Linken seine Gattin. Bevor noch «Le nozze di Figaro» am Theater Regensburg so richtig in Gang kommt, ist die Ausgangssituation dieser Mozart-Oper auch körperlich bereits vorgezeichnet. Der Vorhang ist durchscheinend, dahinter blaut bereits die Szene von Hans-Dieter Schaal, die bei ihm stets etwas Architektonisches hat: ein eher schlichtes, helles Gehäuse, das sich von Akt zu Akt immer mehr aufzulösen scheint.
Mal wird ein Fenster, mal eine Türe demontiert, und immer wieder dreht sich die Bühne schwindelerregend um die eigene Achse, als wollte man eine neue Perspektive, einen anderen Blick auf das Geschehen ermöglichen.
Alles ist hier bis ins kleinste Detail durchdacht, und doch kommt die Inszenierung so leichtfüßig, spielerisch daher wie gleich zu Beginn Eva Zalenga: eine Susanna, nicht nur gesanglich zum Verlieben. Regie führt Arila Siegert, eine Choreografin, die zu DDR-Zeiten noch von Gret Palucca an ihrer Dresdner Schule als ebenso ausdrucksstarke wie durchsetzungsfähige Tänzerpersönlichkeit ausgebildet wurde. Als prägende Erfahrung nennt die Wahl-Berlinerin ...
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Opernwelt Dezember 2021
Rubrik: Im Focus, Seite 22
von Hartmut Regitz
62. Jahrgang, Nr 12
Opernwelt wird herausgegeben von Der Theaterverlag – Friedrich Berlin
ISSN 0030-3690
Best.-Nr. 752350
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Andrea Kaiser | redaktion...
Englische Puritaner sollen einst auf Jahrmärkten der Bären «Tanzen» auf glühenden Eisen verboten haben: nicht aus Mitleid mit den Tieren, sondern weil sich die Leute nicht amüsieren sollten. Robert Wilson erzählte einmal analog, dass strenggläubige Südstaatler es triftig fanden, dass Abraham Lincoln in einem Theater erschossen wurde: Ort der Lustbarkeit und Sünde,...
Die Mitteilung lässt es an Deutlichkeit nicht mangeln. «Soffro». Ich leide, so sagt es unumwunden das literarische Alter Ego von Ada Negri in ihrem Gedicht «Nebbie», das vielleicht in Vergessenheit geraten wäre, hätte nicht Ottorino Respighi eine Musik dazu geschrieben, die uns noch heute unter die Haut geht. Zumal dann, wenn sich ein so begnadeter Textausdeuter...
